Eine kleine realistische Weihnachtsgeschichte -Das Heiligabendessen-

Überall im Lande weihnachtet es sehr. Da brauchts kein Schnee. Gerade passend um Euch eine ganz besondere Weihnachtsgeschichte zu erzählen. Sie ist leider recht lang geworden, aber, vielleicht habt Ihr ja trotzdem Spaß daran.

Es geht in dieser Geschichte, ich gebe ihr nun den Titel “Das Heiligabendessen”, um ein stückweit Idylle und knallharte Realität unterm Weihnachtsbaum. Der Stoff aus dem das wahre Leben ist, woll?  Ganz tief in unseren Herzen wünschen wir uns doch alle ein besinnliches und friedvolles Fest. Oder nicht? Sollte es in diesem Jahr, bei dem ein oder anderen von Euch jedoch ungeplant etwas stressiger werden, denkt immer an Simone und Klaus. Die beiden haben am Ende auch noch die Kurve gekriegt!

Und nun gießt Euch einen leckeren Weihnachtstee ein, knabbert einen selbstgebackenen Keks, gern auch nach einem Rezept von Bines Thermi-Welt und lehnt Euch gemütlich zurück. Es folgt nun eine Geschichte die jederzeit, an vielen Orten so, oder so ähnlich, passieren kann.

Meine Freundin Simone erzählte mir von dieser Begebenheit, die um ein Haar fast einen furchtbar dramatischen Ausgang genommen hätte. Heiligabend, irgendwo in Deutschland. Wir schreiben das Jahr 1997. Ja, ein Weihnachtsfest kann zuweilen auch mal sehr explosiv werden. Genug der Vorrede, let‘s go:

In dieser Story geht es um ein ganz spezielles Heiligabendmahl: Schlesische Weißwürstchen mit einer schmackhaften Mehlsoße! Simones Mann durfte diese Delikatesse erstmalig im zarten Alter von zwei Jahren genießen. In den darauf folgenden drei Jahrzehnten hatte Klaus nicht ein einziges Weihnachtsfest auf das Gericht verzichten müssen. Immer, wenn sich das Jahr dem Ende zuneigte, fühlte er sich bemüßigt ausführlicher von seine langjährigen Weihnachtswurst-Tradition zu erzählen und seine Mutter trommelte jedes Jahr die komplette Familie zu diesem Festmahl zusammen. Dieses jährlich wiederkehrende Ritual sollte sich, doch sehr prägend auf den Gatten meiner Freundin auswirken.

Gerade hatten Klaus und Simone ein hübsches neues Haus bezogen. Nun hatte er die Idee mit seiner Frau und den beiden Kindern den Heiligen Abend allein zu feiern. Ohne Mutti und Vati. Grundsätzlich keine schlechte Idee, wenn nur das Gelingen des traditionellen Menüs nicht ganz allein in Simones Händen gelegen hätte…

Selbstkritisch, wie sie war, stellte sie sich natürlich die Frage, ob es überhaupt im Bereich des Möglichen war, die Weihnachtswürstchen so perfekt wie Schwiegermutti hinzubekommen. Eigentlich ein fast hoffnungsloses Unterfangen bei dieser immens hohen Erwartungshaltung. Aber Simone war von Natur aus ein recht ehrgeiziger Typ. Es wäre doch gelacht, wenn der erste Heiligabend allein mit ihrer eigenen Familie, kein voller Erfolg werden würde. Nein, kleine Korrektur, er MUSSTE ein voller Erfolg werden. Leider hing der Ausgang des Abends nicht unwesentlich von ihren Kochkünsten und den doch etwas tricky zu besorgenden Zutaten ab.

Wochen vor dem Fest informierte sie sich also schon bei diversen Metzgern der Stadt, ob sie diese besonderen Würstchen in ihrem Sortiment führten. Es waren ja nicht irgendwelche Knacker von Aldi, Lidl & Co. Mitnichten! Der Kalbfleischanteil musste bei mindestens 60 Prozent liegen, erklärte ihr die besorgte Schwiegermutter, und die Farbe der “richtigen” Weißwürstchen sei blassrosa und keinesfalls beige. Puh, keine so leichte Aufgabe die perfekten Würstchen auszumachen. Nach intensiver Recherche hatte Simone schlussendlich zwei Fleischer ausgemacht die überhaupt in Frage kamen. Der erste, ganz in der Nähe ihrers Heimes, hatte die dunklen geräucherten Frankfurter Würstchen vor Weihnachten immer vorrätig. Für die schlesischen Weißwürstchen jedoch, musste sie bis an das andere Ende der Stadt um sie für den besonderen Tag vorzubestellen…

Simone hatte in diesen Tagen das Gefühl sich in den letzten Wochen ausschließlich mit SCHLESISCHEN WEISSWÜRSTCHEN beschäftigt zu haben. Aber die Vorfreude auf ein idyllisches Fest, allein mit Mann und Kindern, entschädigte sie für jeglichen dafür getriebenen Aufwand.

Endlich war der 24. Dezember gekommen. Klaus bekam den Auftrag die bestellten Würstchen abzuholen und kam mit den Einkäufen knapp eine Stunde später wieder nach Haus. Neugierig riss er die Verpackung auf und schrie plötzlich völlig hysterisch: “Was sind denn DAS für Würstchen? Die sind ja gar nicht rosa! Bah, die können ganz sicher nicht so schmecken wie die von Mutti!”

In diesem Moment gelang es Simone nur knapp die Contenance zu bewahren. Seit Wochen hatte sie sich quasi den Hintern aufgerissen, um es ihrem Mann recht zu machen und dann sowas. Mit einer sanften Handbewegung legte sie die gerade noch in den Händen gehaltene Tageszeitung auf den Frühstücktisch und sagte in einem sehr ruhigen, jedoch gefährlich entschlossenen Unterton: “Alles klar, jetzt reichts! Ich bin weg! Fröhliche Weihnachten allerseits!”

Eine sehr verständliche Reaktion, wie ich persönlich finde. Vermutlich wäre ich schon bei der Suche nach einem geeigneten Metzger an meine Grenzen geraten und hätte essenstechnisch umdisponiert.

Liebe Leser, keine Sorge, selbstverständlich gibt es noch ein Happyend im Eigenheim. Natürlich ist Simone nach einem einzigen Blick in die entsetzten Kinderaugen daheim geblieben. Klaus stand, nach dieser klaren Ansage seiner Frau, völlig unter Schock. Es folgte eine fette Entschuldigung und ein paar Stunden später hallte ein “Oh Du Fröhliche” durch das feierlich geschmückte Haus…

Das Rezept, Ihr Lieben, habe ich Euch beigelegt. Ich vermute, es kann ohne Bedenken nachgekocht werden, so kein Fluch auf ihm lastet! 

Eure Bine

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