Helgoland – eine Anreise mit Hindernissen, Teil 1

Ich warne Euch: Die Story wird nicht kurz! Ich kann Euch das Drama in seiner Gänze leider nicht ersparen. Aber, Ihr hab es ja so gewollt. Woll, Heike Börm? 

Helgoland, September 2015.

Eine Woche Büsum-Urlaub stand an. Der Wetterbericht hatte für Mittwochs einen herrlichen Spätsommertag versprochen und wir buchten natürlich bei der guten Prognose einen Tagesausflug zur Insel Helgoland.

Mein Lieblingscousinsche Roswitha hatte uns im Vorfeld schon den Tipp gegeben keinesfalls ein kleineres Fahrgastschiff in der Größe der „Lady von Büsum“ zu nehmen. Die Mehrkosten für das Seebäderschiff „MS Funny Girl“ würden sich schon allein dadurch rentieren, da man schneller auf Helgoland andockt und der Kutter vermutlich nicht ganz so voll sein würde. Wohl dem, der diese wichtigen Informationen vorab durch einen lieben Menschen erhält, ne?

Während unseres Tagesausfluges war ich rege mit Roswitha per Whatsapp verbunden. Sie durchlebte ihren Urlaub noch einmal mit uns und wir nahmen sie ja quasi live mit auf unseren Trip. Die Überfahrt gestaltete sich ganz angenehm. Trotz ein wenig unruhiger See, war es doch wunderbar sonnig. Ach, auf so einem großen Schiff, kann ja nicht wirklich viel passieren. Vier Stunden Helgoland. Natur pur. Was für ein unglaublicher Tag wartet nur auf uns? Herrlich!

Wir saßen voller Vorfreude draußen an der Reling und ließen uns den Wind um die Nase wehen. Natürlich gut geschützt mit einem schicken, eigens für die Fahrt neu erworbenen Mützchen. Gut, die Öhrchen waren jetzt muckelig warm, was aber einen entscheidenden Nachteil mit sich brachte: Man verstand die Stimme aus den Bord-Lautsprechern kaum bis gar nicht.

Irgendwas bekam ich noch mit, dass die MS Funny Girl kurz vor Helgoland nochmal anhielt, um ein paar, offensichtlich völlig beknackte und abenteuerlustige Fahrgäste noch mit so komischen Booten abzuholen und irgendwohin zu schippern. Watt weiß ich denn wohin? Wir wollten auf jeden Fall auf die Insel.

Was gehen mich so Lebensmüde an? Mal gar nix, oder? Gottseidank hatte diese Information ja nichts mit uns zu tun. Später erfuhr ich dann, dass die komischen Boote einen speziellen Namen haben: Börteboote. Nie gehört…

Pah, ne, das hätte mir auch noch gerade gefehlt. Die Bine bei etwas unruhiger See vor Helgoland in so einer winzigen Nussschale sitzend. Ne, allein der Gedanke. Hölle. Hölle. Hölle. Da lobe ich mir doch ein riesiges Schiff, was nicht so dolle schaukelt und mich direkt bequem bis zum Hafen bringt. Beweglicher Steg einfach rüber geklappt und flott an Land gegangen. So muss datt und nicht anders!

Kurz vor Helgoland hielt die MS Funny Girl, wie angekündigt, kurz an. Aber warum flitzten so viele kleine Boote da rum? Jut, waren vermutlich überraschend viele behämmerte Leute, die abgeholt wurden. Wohin auch immer! Da war rechts vor der Insel so ein schmaler Ausläufer. Ob die dahin wollten? Was gab es denn da wohl zu sehen? Ach, keine Ahnung, wer’s braucht. Was gehts mich an? Ich wollte jedenfalls nur nach Helgoland!

Während Ralf und ich noch völlig fasziniert die Menschen beobachteten, die in diese Kähne umstiegen, entging uns tatsächlich, dass sich die Reihen auf der Funny Girl immer mehr lichteten…

Ich schickte noch eine Whatsapp von der Funnygirl mit Bildern eines Eichenholz-Börtebootes plus Insassen und kommentierte belustigt: „Boah ne Cousinsche, watt bin ich froh, dass wir nicht in diesen Sardinenbüchsen sitzen, mir wird schon übel, wenn ich die Boote nur wackeln sehe bei diesem Seegang……”

Roswitha muckte sich nicht mehr. Kein Ton. Kein verdammter Laut. Absolute Totenstille am anderen Ende der Whatsapp-Leitung.

Puh. Jetzt wird’s hart, Leute. Kurz darauf hörte ich hinter uns an Bord nur noch einen einzigen Mann der Crew irgendetwas mehrfach, immer lauter werdend, rufen. Völlig ungläubig gingen wir in seine Richtung und verstanden ihn dann, leider sehr klar und deutlich, er rief unmissverständlich: „Letzte Fahrt nach Helgooolaaaaand!“

Schlagartig wurde uns klar: Wir mußten JETZT AUCH in so ein Wackelboot! Es gab absolut kein Zurück mehr! Wenn wir Helgoland sehen wollten, mußten wir, wohl oder übel da rein, in die Kiste! Eine alternative Möglichkeit bestand nicht.

Auf dem nächsten Foto, welches ich meiner Cousine schickte, sah man den aktuellsten Schnappschuss. Die Bine inmitten einer wie verrückt schaukelnden Sardinenbüchse.

Mein kurzer, begleitender Kommentar, darunter: „Mist!“

Ach Kinners, ich will es mal so sagen. Manchmal muss man einfach zu seinem Glück gezwungen werden. Der vierstündige Aufenthalt auf Helgoland entlohnte uns für diese Qual doch fürstlich. Völlig begeistert schickte ich Roswitha ein paar Stunden später weitere unglaublich schöne Fotos der Insel.

Ach ne, plötzlich war sie wieder erreichbar. Komisch, woll? Watt für ein Schlawiner, oder? Hattse sich mal flott verdrückt gehabt. Wohlweislich! Ich hatte aber schon den Eindruck, sie war ein kleines bisschen kleinlauter als vorher…

So las ich es zumindest raus, als sie schrieb: „Mönsch Bine, bitte entschuldige, die Sache mit der etwas sehr speziellen Aus- und Umsteige-Technik vor Helgoland habe ich Dir bewusst verschwiegen. Aber die Insel hat schon was, ne? Hab mir gedacht, wenn ICH das Grauen überlebt habe, dann schaffst Du das doch auch. Wir sind doch Seelenverwandte. Sieh es mal so, meine Kleene: Wenn man Schmetterlinge sehen will, muss man schon ein paar Raupen ertragen!”

Jau Cousinsche, Du kannst MIR aber auch alles schönreden, woll?

Eure Bine

Börteboot:

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