Baguettebrot

Die Tage kam ich mal wieder an einem Matratzengeschäft in der Stadt vorbei. Hallo, meine lieben Leser. Es ist Freitag! Jippieh!

Just in diesem Augenblick fiel mir wieder das kleine Anekdötchen ein, wie Ralf und ich uns neue Matratzen kaufen wollten. Hab ich Euch noch nicht erzählt, oder? Na, dann mal los, ich will Euch nicht lange aufhalten, Ihr habt bestimmt gleich noch was vor…

Also, das ganze Szenario müßt Ihr Euch in etwa so wie bei Loriots “Bettenkauf” vorstellen.

Nicht zuletzt aufgrund dieses wunderbaren Sketches unseres Lieblingshumoristen, waren wir beiden schon extrem amüsiert, bevor wir überhaupt das Geschäft betraten. Ihr kennt das, wenn man sich in so einer albernen Grundstimmung befindet, ne? Zusammenreißen, nur weil man sich in einem reiferen Alter befindet, ist bei mir jetzt nicht so. Bei Ralf auch nicht. Gottseidank. Herrlich, ich liebe es. In solchen Momenten denke ich dann immer nur: “Ach, lass einfach laufen, jetzt is auch egal, Bine!”

Einige Loriot-Szenen könnte ich tatsächlich mitspielen, so textsicher wie ich bin. Wir hatten an diesem Tag leider keinen Herrn Hallmackenreuter, aber dafür eine nicht weniger engagierte Verkäuferin, die uns direkt zur Seite sprang. Die Dame klärte uns fachkundig über die Vor- und Nachteile der diversen gepolsterten Liegeflächen auf. “Schauen Sie einmal hier,” sie zeigte auf ein recht kostspieliges Exemplar, “unser Modell Vitalis Trio de Luxe mit druckentlastender Liegefläche durch eine Visco-Schaumauflage. Sehr zu empfehlen.”

Bine: “Watt auch immer datt is Ralf, de Luxe is immer gut. Hauptsache keine doppelte Federkernmatratze mit Palmfaserauflage, da sind einzeln aufgehängte und kreuzweise verspannte Federmuffen drin. Hüftfreundlich in der Seit- und Bauchlage hin oder her, Federmuffen klingen für mich immer so unglaublich hart, oder für Dich nicht, Schatz?”

Ralf gluckste zustimmend. Die Verkäuferin sah uns irritiert an. Selbstverständlich dauerte es nicht lange und wir beiden lagen gröhlend in der Waagerechten zum Probeliegen. Auf den Betten rumgehopst, bin ich aber ganz ährlisch nicht, Freunde! In die Hand versprochen!

Keine Ahnung, was die Verkäuferin in ihrer Karriere schon alles erlebt hatte, aber sowas offensichtlich nicht. Das konnte man ihrem anfangs überraschten Gesicht ablesen. Aber, ich muss sagen: ihr Ausdruck wurde zunehmend entspannter, das Grinsen breiter. Irgendwann wurde es sehr breit. Danach ging es mit einem belustigten Kichern weiter. Ja, wir waren wahrlich in Höchstform. Es war einfach köstlich!

Ach Mädels, man will doch gar nicht wissen, was für Ehedramen sich in diesem speziellen Umfeld abspielen. Na, oder vielleicht doch? Ich bin sehr sicher, es wäre absolut hörenswert was Sieben-Zonen-Kaltschaum-Matratzenverkäuferinnen alles aus ihrem Job berichten könnten, wenn man sie mal locker interviewen würde.

Wieso werden eigentlich immer so uninteressante Leute wie Politiker und Prominente befragt? Die haben doch gar nix zu erzählen. Mönsch, wir Normalos haben doch die besten Geschichten erlebt. Aber, uns fragt ja keiner. Mädels, ich glaube, den Job Otto Normalverbraucher zu interviewen, übernehme ich in Zukunft. Was ich alles zu hören bekäme, einfach genial! Würde mich dazu bei Euch auf ein Käffchen und ein Stücksken lecker Kuchen einladen und Ihr erzählt mir Eure besten Storys. Ich sitze dann, mit meinem Schleppi auf dem Schoß und schreibe alles mit.

Deal oder no Deal? 

Wie gesagt, anfangs war die junge Frau etwas sehr irritiert von unserer lockeren Art miteinander umzugehen, wurde aber im Verlauf des Verkaufsgespräches immer cooler und irgendwann trugen wir uns zu Dritt gemeinsam von einer Heiterkeitswelle in die nächste. Wir schlafen übrigens auch im Liegen. Aber das nur am Rande…

Die nette Dame zeigte auf ein weiteres Exemplar und erzählte uns, dass es auch hier, wie bei allen Matratzen natürlich Schutz-Überzüge über der eigentlichen Matratze gibt, die selbstverständlich mit einem Reißverschluss bestückt und waschbar seien. Ralf nachdenklich: “Hab ich diesen Überzug auch bei meinen alten Matratzen? Interessant, ist mir noch nie aufgefallen…” Verkäuferin überzeugt: “Ganz sicher, die sind schon lange Standard!” Ralf, gespielt zerknirscht: “Oh, dann dürft Ihr mich heute als männliche Schlampe betiteln, die hab ich noch nie gewaschen….”

Brüllendes Gelächter. Zwischendurch war ich dann aber schon froh, dass uns nicht die Frage nach unseren persönlichen Schlafgewohnheiten gestellt wurde, ob wir möglicherweise nebeneinander oder rechtwinklig ruhen. DAS Mädels, hätte in dieser komischen Situation meine Blasenfunktion ganz sicher auf eine sehr harte Probe gestellt. Es war auch so schon schlimm genug…

Irgendwann waren wir dann aber soweit, die Entscheidung gefallen und wir bugsierten die gekaufte Ware aus dem Laden. Ralf lief ein Stück vor, ich war auch schon fast draußen, als mich die Verkäuferin noch einmal neugierig ansprach: “Einen kleinen Moment noch, darf ich sie mal etwas Persönliches fragen?” Bine erstaunt: “Aber klar doch!” Verkäuferin interessiert: “Wie lange sind sie beiden eigentlich schon zusammen?” Bine: “Drei Jahre!” Verkäuferin: “Oh, ich hätte geschworen erst ein paar Monate…”

Zu dieser Zeit, Ihr Lieben, waren wir übrigens noch nicht verheiratet und ich bin sehr froh, dass die Verkäuferin uns auch NICHT gefragt hat, wofür wir denn überhaupt gleich zwei Matratzen benötigen!

Jo. Ich denke fürs “Locker-miteinander-Umgehen” braucht man definitiv nicht frisch verliebt sein. Ein gemeinsamer Humor reicht da völlig aus. Über die gleichen Dinge lachen können, ist für mich übrigens bei der Partnerwahl kein unwichtiges Kriterium. Aber darauf, meine Lieben, bin ich nach vielen Irrungen und Wirrungen erst viel später gekommen.

Früh genug komme ich jetzt aber zum Rezept des Tages: Ein köstliches Baguette, mal wieder aus der ergiebigen Rezeptwelt. Wunderbar. Ein richtig tolles Brot. Mjam. Mjam.

Tüskes…Eure Bine

Rezept: Baguette

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