Pasta Scampi

Es gibt Momente Kinners, da bin ich wirklich froh schon viele Jahre erwachsen zu sein! Moinsen zusammen.

Und ich sag Euch auch warum…

Gestern kam ich an einem Klamottengeschäft in der Stadt vorbei und sah eine sehr interessante und völlig außergewöhnliche Blousonjacke. Ich blieb stehen und schaute sie mir aus der Nähe an. Schlagartig hatte ich ein Déjà-vu und mir fiel dazu mal wieder eine Begebenheit ein die sich, in diesem Fall, vor ungefähr 35 Jahren zutrug.

Es war Sommer, Anfang der 80iger Jahre. Ich muss so um die sechzehn gewesen sein. In dieser Zeit jobbte ich bereits fleißig in der Gaststätte meiner Eltern. Mittlerweile war die Kneipe von Pächtern übernommen und ich verdiente mir dort als Kellnerin mein erstes eigenes Geld. Und diese schwer verdiente Kohle setze ich schon zu diesem frühen Zeitpunkt am liebsten in neue Kleidung für mich um…

Eines Tages fuhr ich mit einem Freund in den Globus, ein Einzelhandelsunternehmen in Finnentrop. Eigentlich wollten wir nur ein bisschen Obst kaufen, aber es sollte anders kommen…

Zu dieser Zeit hatte das Geschäft für damalige Verhältnisse schon ein ungewöhnlich breites Angebot. Lebensmittel, Haushaltswaren aber auch preiswerte Kleidungsstücke konnte man dort käuflich erwerben. Ich wette, den Laden gibts heute auch längst nicht mehr. Egal. Jedenfalls lachte mich beim Stöbern eine auffällige Blousonjacke an.

Seit James Dean haben diese Art von Jacken sogar ein Rebellenimage. Gerade richtig für mich, woll?

Mädels, auf den Schlag hatte es mich erwischt. Ich war im Nu schockverliebt.

Sie war aus Satin. Glänzte wie verrückt. In einem dezenten Lila. Jau Kinners, und auf dem Rücken prangte groß ein gestickter weißer Adler.

Hammer, oder?

Was für ein außergewöhnliches Stück. So etwas hatte ich vorher noch nie gesehen. Ich MUSSTE dieses Teil einfach kaufen. Und der Preis war obendrauf unschlagbar:

Fünfzehn D-Mark musste ich nur dafür latzen! Unfassbar, ein Schnäpperken sondergleichen, woll?

Der Blouson lag umgehend in meinem Einkaufskorb und ich trug ihn am nächsten Tag völlig stolz zur Schule. In Bad Fredeburg stieg meine beste Freundin und Schulkameradin in den Schulbus ein. Ich grinste sie extrem breit und voller vorfreudiger Erwartung an, stand demonstrativ vom Sitz auf, drehte mich einmal um meine eigene Achse und fragte sie keck:

“Na Gabi, watt sachse? Todschick, oder?”

Jo. Ich schätzte Gabi immer sehr für ihre Ehrlichkeit, aber in diesem Moment war mir diese ansonsten wunderbare Charaktereigenschaft einfach zuviel.

Sie antwortete: “Bine, nicht Dein Ernst, oder? Die Jacke sieht ja furchtbar aus. Die Farbe ist ja schon richtig schlimm, aber dann glänzt sie auch noch so fürchterlich. Aber am allerschrecklichlichsten ist der fette gestickte Adler hinten drauf. Ne, Bine, die ist ja mal voll hässlich. Geht ja mal gar nicht!”

Rumms. Der hatte gesessen. Ich sackte förmlich innerlich zusammen. Nix mehr mit Rebellin. Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Besaß ich wirklich so wenig Geschmack oder hatte Gabi in diesem Fall nicht den Blick für das Besondere?

Heute, meine Lieben, würde mir das nicht mehr passieren und ich würde mit stolz geschwellter Brust meinen Blouson tragen. Hundertpro! Gut, vielleicht jetzt nicht gerade in lila Satin, das wäre dann wirklich mein allerletzter Versuch…

Jo, und das ist nun einer der Gründe, warum ich sehr froh bin erwachsen zu sein.

Schon ewig habe ich meinen eigenen Klamotten-Stil gefunden und heute würde ich mich nicht mehr so verunsichern lassen. Auch nicht von meiner besten Freundin. Ich schwör.

Gabi hatte ich danach trotzdem noch lieb, sie mochte ja nur meine Jacke nicht. Den Menschen da drin dann wohl…

Tja, was soll ich Euch erzählen, meine lilafarbene wunderbar glänzende Satin-Blousonjacke habe ich nur einen einzigen Tag in meinem Leben getragen. An diesem einen Schultag. Und das auch nur für zwei Stunden.

Direkt nach Ankunft in der Schule verschwand sie umgehend im Müllcontainer und ich fuhr ohne meine Neuerwerbung am Nachmittag wieder nach Hause.
Schade eigentlich. Sie hätte sicherlich überall für viel GesprächsSTOFF gesorgt. Im wahrsten Sinne des Wortes…

Ach Mädels, nach diesen Schwank aus meiner Jugend brauch ich erstmal wieder was zu futtern. Nervennahrung quasi! Das war eine echt bittere Erfahrung.

Habt Ihr auch solche oder ähnliche Erlebnisse aus Eurer Jugend? Bestimmt, oder?

Aber jetzt gibts erstmal Spaghetti mit Garnelen aufs Auge. Warum auch immer, aber an diesem Getier kann ich mich doof und dusselig essen. Und dieses Rezept war wirklich erstklassig. Probierts aus…😋

Eure Bine

Rezept: Pasta Scampi

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