Saftiges Rosinenbrot

Da bin ich doch schon wieder!

Gestern noch gedanklich beim Thermi-Hasser Beitrag und heute schon wieder auf unserer Thermomix-Showbühne! So fix kanns gehen, woll?

Dieses Mal hat mich der recht leckere, aber nur bedingt saftige Rosinenstuten der Thermimaus Ostfriesland an ein sehr interessantes Ereignis in meinem Leben erinnert.

Kinners, so langsam wird’s selbst mir etwas unheimlich, bei diesem scheinbar unerschöpflichen Anekdoten-Repertoire. Mir fällt aber bald zu jedem Rezept irgendein Scheiß ein…

Zum Rosinenstuten und meinem heutigen Bines Thermi-Welt Thema:

Andere Regionen – andere Sitten.

Ich hab ja selbst auch viele Jahre im Münsterland gelebt und bin dadurch natürlich mit einigen traditionellen Bräuchen in Berührung gekommen. Ach, ich liebe andere Sitten und Gebräuche und freue mich immer unsagbar, wenn ich sie selbst erlebe oder erzählt bekomme. Da werden meine Öhrkes auf jeden Fall immer länger. Sinnbildlich gesehen, nicht in echt, woll? Das würd’ ja voll lustig aussehen, voll die Mrs Spock, woll?

Im Münsterland gibt es natürlich auch ein paar uralte Bräuche. Bei Euch in den Gegenden sicher auch, oder? Als ich mit einem davon vor vielen Monden erstmalig in Berührung kam, war ich doch anfänglich ein wenig irritiert. Das gebe ich zu. So etwas kannte ich aus dem Sauerland nicht.

Eine Bekannte aus meiner Clique klingelte an meiner Tür und meinte: “Du Bine, haste ja bestimmt schon mitbekommen, die Inge hat ja gestern ihr Baby entbunden, kommt Ihr auch am Freitag mit zum Kind pinkeln lassen? Treffpunkt ist bei uns um 19 Uhr…”

“Häh, Kind pinkeln, wassn das?”, fragte ich sichtlich verstört.

Offensichtlich hatte ich in diesem Augenblick einen etwas sehr dümmlichen Gesichtsausdruck aufgelegt. Meine Bekannte lag da schon schwer belustigt halb auf dem Boden.

“Ach ja Bine, Du kennst das ja gar nicht! Dann kläre ich Dich jetzt mal auf: wenn hier im Münsterland ein Baby zur Welt kommt, lässt man das Neugeborene pinkeln. Das ist nichts anderes, als ein kleiner Umtrunk zur Geburt des Kindes. Meistens liegt die Mutter zu diesem Zeitpunkt noch mit ihrem Baby im Krankenhaus und Freunde bzw. Familie schließen sich zusammen. Sie backen oder kaufen Stuten, gerne auch einen Rosinenstuten, und besorgen frische Butter und Käse.

Mit einem Kistchen Bier und Schnäppschen bewaffnet, transportiert die feierwütige Truppe die Leckereien zum frischgebackenen Vater. Meistens in einem geschmückten bunten Bollerwagen…”

Oha, das klang ja jetzt nicht so schlecht…

“Der Vater,” so fuhr sie fort, “hat getränketechnisch natürlich auch für dieses unvergessliche Ereignis vorgesorgt und es gibt ein herrliches Besäufnis. Wenn man Glück hat so ausufernd, dass man noch Jahre später davon erzählt. So wird eben im Münsterland der neue Erdenbürger standesgemäß begrüßt…”

Bei dieser Gelegenheit, meine Lieben, habe ich dann erstmalig eine dicke Scheibe jungen Gouda mit viel Butter auf einem Rosinenstuten gegessen. Die Variante konnte ich mir erst nicht so doll gut vorstellen und war überrascht, was das für ein Hochgenuss ist.

Wie, das habt Ihr noch nie probiert? Na, dann aber los. Ich kann davon nicht genug kriegen. Kann man auch essen, ohne dass ein Baby geboren wurde. Vereinfacht die Sache jetzt doch ungemein, oder?

Übrigens, diesen Brauch gibts offensichtlich auch in anderen Regionen. Nicht nur im Münsterland. In Ostfriesland heißt diese Tradition “Kindskiek”, in Südhessen “Baasche wäsche” und in Oberbayern “Kindsbier”. Und überall soll durch den Genuss der alkoholhaltigen Getränke symbolisch dem Kind beim ersten Wasserlassen geholfen werden, damit es keine Schmerzen erleidet.

Naja, geschickt formulierter Vorwand, denke ich. Ich glaub ja eher, die Leute wollen sich einfach nur überall gepflegt einen schnasseln. Der Zweck heiligt auch hier die Mittel, oder?

Schönen Nachmittag, woll?

Eure Bine

Rezept: Rosinenbrot

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