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Kinners. Hi. Diesen Post kann ich Euch nicht ersparen. Es tut mir leid. Ja, ich habe es auch getan. Ja, ich habe ebenfalls die Hausmacher Leberwurst a la Sybi aus dem Thermomix getestet.

Sie sprang mich sofort an! Vermutlich, weil ich zu hausgemachter Wurst eine doch recht spezielle, eigene Biografie habe…

Und nun bleibt mir nichts anderes übrig als mal wieder ziemlich tief in der Hömberg’schen Nähkästchenschublade rumzukramen und aus meiner Kindheit zu plaudern. Einfach nur, damit ich gleich bei meiner abschließenden Bewertung nicht völlig missverstanden werde.

Außerdem ist es ja schon ein schwer fleischlastiges Thema, welches die Gemüter sehr kontrovers bewegen kann. Im Zweifel. Aber, Ihr kennt mich und wisst mittlerweile: ich bin sehr weit davon entfernt hier irgendwelche Grundsatzdiskussion lostreten zu wollen, ne?

Jedoch kann ich jeden verstehen, der sich das, was ich nun erzähle, überhaupt gar nie nicht vorstellen kann…

Meine Kindheit und Jugend, liebe Leser, verbrachte ich, wie hier ja fast alle bereits wissen, auf dem Land. Genauer gesagt in dem klitzekleinen Örtchen Arpe im Sauerland. Dem Land der tausend Berge. Nähe Schmallenberg. Kennt das jemand? Vermutlich nicht.

Aber, es sei Euch versichert, es gibt diesen verwunschenen Ort hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen wirklich. Nur Schneewittchen hab ich nie gesehen. Ich glaub, die haben uns damals echt Märchen erzählt…

Genug der malerischen Worte. Achtung! Jetzt wird’s heftig. Wer also ein wenig zartbesaitet, womöglich Veganer oder Vegetarier ist, der möge nun g‘schwind weiterscrollen und sich das weit aus unverfänglichere Spaghetti-Eis Dessert von gestern oder den köstlichen veganen Orange-Fenchel-Salat noch einmal intensiver anschauen.

Zu Eurem eigenen Schutz, meine lieben Leser. Natürlemón. Nicht, dass mir hier noch jemand psychischen Schaden nimmt, woll? Das kann und will ich wirklich nicht verantworten…

Huch, Ihr seid ja immer noch da?! Jut, aber nicht, dass mir später Beschwerden kommen, ich habe Euch ausreichend gewarnt!

Los gehts. Wo waren wir noch gleich? Ach ja, wir sind beim harten Leben auf dem Land stehen geblieben…

Einmal im Jahr ging es bei uns richtig zur Sache. Da wurde im ellenlangen Flur des Kellergewölbes unseres alten Bauernhauses ein Schweinchen ziemlich heiß gebadet. Selbstverständlich weilte es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr unter den lebenden Tieren. Versteht sich von selbst…

Nach dem Säubern wurde es fachgerecht von einem Nachbarn, ein gelernter Metzger, hälftig zerlegt und an einer Leiter aufgehangen. Und später viele leckere Sachen, natürlich in diesem Zuge auch Wurst, hergestellt.

Diese prägenden Kindheitserlebnisse sind ganz sicher der Grund, warum ich heute mit diesem Thema recht entspannt umgehe. Vermute ich jedenfalls ganz stark…

Selbst, wenn manch einer lieber die Augen davor verschließen möchte, genauso praktizieren das die Metzger in Schlachthöfen heute noch. Jeden Tag aufs Neue wird geschlachtet und all das, damit wir Fleischesser unsere Nackenbraten, Rouladen, Schnitzel und den vielfältigen Aufschnitt an der gut bestückten Fleisch- und Frischwursttheke auch heute noch reichlich verzehren können.

Ein, in einem riesigen Kessel gekochter, Schweinekopf lag dann oft zur Weiterverarbeitung mitten auf dem Küchentisch und wir Kinder aßen das äußerst magere und wohlschmeckende Wangenfleisch direkt vom Tierchen wech…

Nein, das war nicht ekelig! Für uns jedenfalls nicht. Wir waren den Anblick und die Hausschlachtung von klein auf gewöhnt und auch in die entsprechenden Arbeiten involviert. Für uns Kinder war das eine Selbstverständlichkeit, weil jeder wusste: diese Tätigkeiten machten uns in den nächsten Monaten sehr preiswert satt.

Es wurden Braten, Koteletts, Rouladen daraus geschnitten und natürlich geräucherter Knochenschinken, Sülze, Blutwurst, Presswurst, eingekochtes Mett, Kartoffelwurst und unfassbar leckere Leberwurscht hergestellt. Wir Kids durften “Kinkeln” schneiden. Das sind winzige Fettwürfel, kleine Stückchen Speck, die für die Wurst benötigt wurden. Nur, dass Ihr das auch mal gehört habt…

Kinners, DAS war für mich RICHTIGE Hausmacher Leberwurst, die ihren Namen in der Tat verdiente!

Wir besaßen in meinem Elternhaus eigens für diese Gelegenheit eine schmale, begehbare Räucherkammer. Darin ein Ofen, welcher mit echtem Buchenholz befeuert wurde. Wochenlang hingen die Würste fein nebeneinander von der Decke herab und räucherten so genüsslich vor sich hin.

Der herrliche Anblick und dieser unvergleichliche Geruch von frischer geräucherter Wurst, ist für mich bis heute unvergesslich in Erinnerung geblieben. Fantastisch.

Dem Tag des ersten Anschnittes fieberten wir alle entgegen und waren sehr gespannt, wie die Wurst dieses Mal geworden ist. Man nahm grob natürlich immer die gleichen Gewürze, aber sie schmeckte dennoch irgendwie immer eine Spur anders als im Vorjahr.

Kein Wunder, eine Handvoll hiervon eine Handvoll davon, so wurden diese großen Mengen an Senfkörnern, Piment, Pfeffer, Salz und vieles mehr an diesen interessanten Schlacht-Tagen abgemessen…

So Schneckschen. Dieses Vorgeplänkel war aus meiner Sicht bitternötig, damit Ihr mein Fazit zu dieser gekochten Leberwurst ansatzweise verstehen könnt.

Ich mag hier nix niedermachen. Das ist nicht meine Art. Am Ende muss man fairerweise sagen, dass diese Wurst, nach zehn Kochminuten im Thermomix nicht wirklich vergleichbar mit einer schnittfesten, wochenlang geräucherten Leberwurst sein kann.

Ich bin jedoch sicher, dass sehr vielen Thermomixbegeisterten diese Leberwurst trotzdem bombastisch schmeckt. Und das soll sie natürlich auch.

Jedoch finde ich persönlich: Man konnte sie jetzt einmal ausprobieren, aber meine Lieblingswurst wird sie leider nicht werden. Schade eigentlich. Ich hatte es so gehofft. Aber vermutlich kann ich hier auch gar nicht objektiv sein. Aus vorgenannten Gründen erwarte ich dann doch etwas anderes von einer richtig guten Bauernleberwurst. Da kann jetzt die liebe Sybille Krebs so gar nix für, woll?

Aber, ich stehe mit meiner Meinung ganz sicher ziemlich allein auf weiter Flur, wenn ich mir so die vielfältigen entzückten Gruppenposts bezüglich Hausmacher Wurst anschaue.

Macht aber nix, die Geschmäcker sind gottseidank, auch bei der selbst hergestellten Leberwurscht, sehr verschieden. Und das, Ihr Lieben, soll auch ja so bleiben!

Schönes Wochenende…und kocht und backt mir watt Schönes…

Eure Bine

Rezept: