Ihr Lieben,

nachfolgend nun, auf mehrfachen Wunsch erneut gepostet, Eure Weihnachtsgeschichte 2017!

Heute: Die Anschaffung

Gestern Morgen fielen mir, auf dem Weg zur Arbeit, die hell erleuchteten Fenster meiner Nachbarn ins Auge. Üppig geschmückte und wunderbar liebevoll dekorierte Fenster, soweit das Auge reichte. In einer Wohnung stand sogar schon ein komplett geschmückter Weihnachtsbaum. Hallo, es ist noch nicht mal der erste Advent? Ein bisken watt früh, oder?

Just in diesem Augenblick fiel mir das Jahr 1997 wieder ein. Es trug sich zu, dass die Bine im Oktober dieses Jahres ein viermonatiges Praktikum in einer Behörde, mitten im beschaulichen Münsterland, absolvierte. Ich wette, dort wird heute auch anders gearbeitet als früher. Aber zur damaligen Zeit, tickten die Uhren eben noch ein kleines bisschen anders. Irgendwie langsamer, gemächlicher, penibler.

Naja, jedenfalls habbich nach meiner Praktikumszeit jeden Beamten-Witz, der über die Art und Weise, mit welchem Tempo und wie genau dort gearbeitet wird, durch meine eigenen Erfahrungen, sofort kapiert. Warum?

Ker, ker, ker, Ihr seid aber auch watt neugierig hier, jaja, ich erzähl ja schon weiter…

Jedes Jahr, so berichteten mir die wirklich sehr netten und äußerst kommunikativen Kollegen, stellte man zum ersten Advent in der Behörde einen Weihnachtsbaum mit großem Tamtam im Eingangsbereich auf. Schon Wochen vorher wurde, in einer übersichtlichen sechs Mann starken Weihnachtsbaum-Arbeitsgruppe überlegt, welcher Baum in diesem Jahr denn wohl in Frage kommen könnte.

Wird es eine Nobilis, eine Coloradotanne, eine Blaufichte oder doch wieder eine Nordmanntanne wie im letzten Jahr, werden? Ich durfte diesen Treffen live beiwohnen. Praktikantin eben, da weiß man eh nicht, wie man die sinnvoll beschäftigt, woll? Hauptsache, die Kleene hält die Klappe, stellt keine Fragen und nervt nicht!

Hab ich auch nicht! 😉

Wie gebannt nahm ich an diesen hochinteressanten Treffen als schweigsame, aber sehr aufmerksame Kollegin, teil. Und mit heutigem Tage weiß ich endlich auch, warum ich dabei sein durfte! Kinners, es hat doch alles seinen tieferen Sinn im Leben, man muss nur manchmal etwas länger warten, um diesen zu erkennen, oder?

Stichwort: Geduld!

So etwas hatte ich tatsächlich noch nie erlebt. Ich stamme selbst aus einem Handwerker-Haushalt und da wird naturgemäß weniger geredet und einfach nur gearbeitet. Wenn Ihr versteht, was ich damit sagen will?

Himmelherrgott, wie konnte man fünf Stunden Arbeitszeit erstmal mit der Diskussion über diverse Weihnachtsbaumsorten verballern? Oder war es gar gemütlich Zeit absitzen mit Themen, die die Behörde betrafen und daher öffentlich als völlig legitim verkauft wurden? Natürlich nicht. Wie konnte ich das nur denken? Es gab wirklich wichtige Dinge zu besprechen!

Keine Ahnung, war ja nur eine temporäre Kollegin. Naja, jedenfalls habe ich in diesem Praktikum sehr viel über Bäume und den gemeinen Bürger einer münsterländischen Kleinstadt gelernt.

Von der teuren nordamerikanischen Coloradotanne wurde sich direkt in der ersten Sitzung nach drei Gesprächsrunden und zwei Pausen verabschiedet. Die Abies concolor trägt zwar schmiegsame, lange Nadeln mit einer silber-grauen Farbe und hat einen charakteristischen Zitrusduft, ist im Handel aber äußerst selten zufinden. Und Einfliegen lassen, war dann doch einfach zu kostenintensiv und hätte das Budget um ein Vielfaches gesprengt…😅

Die Edeltanne (Abies procera / Abies nobilis) hat einen kompakten und oftmals recht unregelmäßigen Wuchs, preislich war sie damals mit einer Nordmanntanne vergleichbar. Lag also 1997 so eben noch im Weihnachtskosten-Budget des Amtes. Nicht, dass der streitsüchtige Bürger das leuchtende Colorado-Bäumchen sieht und sich Gedanken macht, wie mal wieder sein hart erarbeitetes Steuergeld verschwendet wird. 😅

Ein bisserl psychologisches Einfühlungsvermögen war also dringend vonnöten. Außerdem stürzt sich bei außergewöhnlichen Behörden-Weihnachtsbäumen gern mal die Presse, wie die Geier, auf so ein Thema. 🙁 Negative Schlagzeilen im örtlichen Stadtanzeiger mußte man, unter allen Umständen, vermeiden.

Aus diesem Grund nahm auch der Amtsleiter himself an den Treffen teil. Chefsache also!

Die Nobilis, so hieß die Information eines Dezernenten des hiesigen Forstamtes, der zu einem dieser Gesprächskreise eingeladen wurde, sei außerdem bis weit in den Januar haltbar. Ist ja nicht unwichtig für die Optik während der Adventszeit und die spätere Entsorgung, woll? Nicht, dass das gute Stück noch vor Weihnachten seine Ästchen schlapp runter hängen lässt.

Wäre ja nicht auszudenken, welch katastrophale Außenwirkung ein furztrockener Weihnachtsbaum am dritten Advent gehabt hätte, dessen Nadeln den frühen Tod bereits vor dem heiligen Abend auf den kalten Steinfliesen gefunden hätte…

Nach drei Sitzungstagen wurde sich dann, fast einstimmig, für die gute alte Nordmanntanne entschieden. Genau wie im letzten Jahr, aus den gleichen Gründen wie vormals.

Es war eine demokratische Wahl. Of course! 

Mit einer guten Haltbarkeit, einem buschigen, kräftigen Wuchs, eignet sich die Abies nordmanniana immer noch am besten als Christbaum für stark frequentierte Behördeneingangsbereiche. Das jedenfalls, war die fast einhellige Meinung der Beamten. 😅

Welchen Inhalts die weiteren Treffen waren und für welche Lichterkette sich am Ende und warum entschieden wurde, erfahrt Ihr im zweiten Teil meiner Geschichte “Die Behörde”…

….Fortsetzung folgt….

Pfürti….Eure Bine