Es ist vollbracht, Schneckschen! 

Heute: Aufstellen und Schmücken des Weihnachtsbaumes (4. und letzter Teil)

Es war Freitag, der 28.11.1997, kurz vor dem ersten Advent.

Woher ich das noch so genau weiß? Kinners, wofür gibt’s denn den immerwährenden Kalender? Ja, ich gebe frank und frei zu, zuweilen habe auch ich lichte Momente!

Aber alles andere hatte ich noch so heftig präsent, als wenn es letzte Woche gewesen wäre….

Bereits um acht Uhr morgens wurde damit begonnen, die Nordmanntanne im Eingang aufzustellen. Der Facility Manager – sprich Hausmeister – bugsierte sie mit einer Sackkarre an ihren Bestimmungsort im Behördeneingang.

Sie war noch komplett im Netz gefangen und ich bekam den kurzen Wortwechsel zwischen dem Hausmeister und Amtsleiter mit.

Leiter der Behörde: „Erich, den haste aber schon ausgepackt gesehen, oder?“

Erich: „Ähm, nein, ich habe jetzt nur auf die Größe geachtet, Vorgabe war ja 2,40 Meter…“

Heilig‘s Blechle, das konnte ja im Verlauf noch heiter werden.

Naja, wenigstens saß das Bäumchen erstmal perfekt und fest im Ständer. Problem war jetzt nur, der Stamm war in sich krumm gewachsen. Egal, von welcher Seite man den Weihnachtsbaum betrachtete und wie man ihn auch drehte, er war und blieb schief und puckelig! 🙁

Die erste Kollegen äußersten sich bereits belustigt: „Na, Erich, da haste aber in diesem Jahr einen richtigen Glücksgriff getan. Der gewinnt sicher beim Wettbewerb „Schrägster Tannenbaum der Stadt“.

Ein anderer sang spontan ein altbekanntes Weihnachtslied mit neuem Text: „O Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie schief sind deine Stämme! Du kippst nicht nur zur Sommerzeit, nein auch im Winter, wenn es schneit. Oh Tannenbaum, o Tannenbaum, wie schief sind Deine Stämme…“

…und dann entfernte Erich das Netz….

Direkt als sich die ersten Äste natürlich sortierten konnte man erkennen, dass sie nicht so fielen, wie es wünschenswert gewesen wäre.

Auf der linken Seite, etwa in Bauchhöhe, fehlten locker zwei komplette Äste und es klaffte dort ein fettes Loch im Baum. Dafür waren auf der rechten Seite die Äste doppelt und dreifach gewachsen. Buschig ohne Ende…

Erich bekam direkt vom entsetzten Amtsleiter den Auftrag die Äste dort, wo sie überreich vorhanden waren, abzuschneiden und damit die Löcher auf der linken Seite zu stopfen. Ein Holzbohrer bereitete den Stamm entsprechend vor, damit sie auch ein paar Wochen hielten.

Tja, so is datt mitte Naturprodukte, woll? Wie gemalt sehen eben meistens nur künstliche Weihnachtsbäume aus. Dafür riechen sie aber auch nicht gut bis gar nicht.

Man muss, wie immer im Leben, auch hier Prioritäten setzen. Oh Mann, war ich froh, nicht auch noch für die gekaufte Nordmanntanne verantwortlich gewesen zu sein. Von diesem Doppelschlag, denn ich ahnte schon, was mir blühte, hätte ich mich doch mein ganzes Leben lang nicht wieder erholt.

Es reichte ja schon das, was dann passieren sollte…

Jo, und dann kam der ungewollte Auftritt des Kellerkindes!

Also ich jetzt mit meinem Selfmade-Bastel-Baumschmuck. Erich hing derweil schon mal die Bleistiftstummel auf, während ich mit klopfendem Herzen versuchte, mit meinen “Werken” den Baum zu schmücken…

Mmh, ehrlich gesagt, es war wohl eher ein malträtieren der armen Tanne. Ja, Weihnachtsbäume haben auch Gefühle.

Sensibel, wie ich bin, hörte ich ihn leise sagen: “Bine, tu mir das nicht auch noch an, reicht es nicht schon, dass ich so hässlich gewachsen bin?”

Ja, ich verstand den Baum. Ich verstand ihn sehr gut. Aber leider hatte ich null Einfluss all das zu verhindern…Praktikantin, woll? 

Umgehend begannen natürlich die Tuscheleien der Kollegen: “Um Gotteswillen, wie sieht DER denn aus? Wer hat denn diese Katastrophe veranlasst?

Und vor allen Dingen: Wer hat denn diesen grässlichen Schmuck überhaupt gebastelt?

Was für ein jämmerlicher Anblick, wie gewollt und nicht gekonnt! Geht gar nicht!” 🙁

Das war die einhellig Meinung. Der Flurfunk funktionierte perfekt und innerhalb von zehn Minuten war im kompletten Amt bekannt, dass die Praktikantin über keinerlei künsterische Fähigkeiten verfügte und in dieser Hinsicht völlig talentfrei war.

Na super Leute, hab ich mich vielleicht in den Vordergrund gestellt und HIER gerufen bei der Aufgabenverteilung? Nö! Hab ich nicht. Das war doch eine Schmach, die mir von außen aufgedrückt wurde. 🙁

Unverschuldete Niederlagen sind doch wahrlich die schrecklichsten Niederlagen im Leben, ist es nicht so, Schneckschen?

Die Amtsleitung hatte, nach der sofort spürbaren Aufruhe in der Behörde, bereits vorsorglich den Uralt-Schmuck aus dem Keller hochholen und abstauben lassen und meine “Kunstwerke” wurden fix ersetzt, so schnell konnte man wirklich nicht gucken.

Gut, dass noch kein reger Kundenverkehr herrschte. Das hätte alles noch schlimmer gemacht.

Interessanterweise meckerte nun aber NIEMAND mehr über den alten Baumschmuck aus den letzten Jahren.

Alle waren heilfroh, dass die Behörde nicht weiter öffentlich eine solche Angriffsfläche bot und sich bis auf die Knochen blamierte…

Tja, und was konnten wir ALLE, die Mitarbeiter der Behörde, die Bine DAMALS und meine Leser HEUTE, daraus lernen?

Manchmal ist es doch sinnvoll Altbewährtes wertzuschätzen und nicht zu verteufeln.

Wie Ihr lesen konntet, kann alles immer noch schlimmer kommen…viel schlimmer…

THE END!

Datt wars mal wieder. Ich hoffe, ich habe Euch mit meiner Tetralogie nicht allzu sehr gelangweilt. Und wenn doch, dann ist das eben der Preis, den man manchmal im Leben zahlen muss. Keine Rose ohne Dornen…

Ich bin es jedenfalls los und spare mir den Therapeuten. Und DAS war es allemal wert, woll?

Vielen Dank für Eure Aufmerksamkeit!

Eure Bine