So, alle da? Alles klar, dann gehts weiter im Text…

Heute: Der Weihnachtsschmuck

Die erste Novemberwoche machte ihrem Namen alle Ehre. Ein komische, sehr unangenehme Vorahnung beschlich mich und ließ mich unruhig in die nächsten Meetings gehen.

Das Wetter war grau in grau und die Mitarbeiter, einschließlich Amtsleiter und der Praktikantin Bine saßen frühmorgens um 11:00 Uhr  wieder einträchtig am runden Tisch.

Eine Antwort auf folgende Frage musste in den nächsten vier Tagen gefunden werden:

Sollte das Amt sich nicht mal von einer völlig neuen, kreativen und innovativen, Seite zeigen und preisgünstig den diesjährigen Weihnachtsschmuck selbst basteln? Oder sollte man den Baum wieder, wie gehabt, bestücken?

Über die Optik, der schon etwas in die Jahre gekommenen Kugeln, Strohsterne und Glöckchen, wurde seitens des gesamten Behördenapparates im Vorjahr schon schwer die Nase gerümpft, erzählten die Sitzungsmitglieder. 🙁

Die Kollegen hätten gelästert, was das Zeugs hält. Jeder Mitarbeiter fühlte sich bemüßigt seinen Empfindungen beim Anblick des Weihnachtsbaumes sofortigen Ausdruck zu verleihen. Der Amtsleiter bescheinigte daraufhin noch einmal eindringlich, dass für einen komplett neuen Satz Weihnachtsschmuck leider die Gelder fehlten.

Selfmade-Schmuck, DAS gefiel ihm ausnehmend gut. DAS wäre doch DIE Lösung!

Mehr und mehr ging es in Folge gedanklich in diese Richtung. Welche Materialien, die das Amt typischerweise repräsentierten, konnten dafür überhaupt eingesetzt werden? Drei Tage wurde wie wild überlegt und diskutiert.

Am dritten Sitzungstag gegen Mittag gab es immer noch kein brauchbares Ergebnis. Plötzlich kam ein Kollege, der bisher wegen seiner Zurückhaltung in den vergangenen Gesprächskreisen aufgefallen war, auf die bahnbrechende Idee. Jo, stille Wasser sind bekanntlich tief, sehr tief in diesem Fall…

Der Mann schlug vor, dass man doch vielleicht die gesammelten bunten Bleistiftstummel, die in den letzten Jahrzehnten immer archiviert worden waren, als Baumschmuck einsetzen könne.

Sparsamkeit musste im Amt in den vergangenen Jahren immer groß geschrieben werden. Jederzeit konnten weitreichende Budgetkürzungen beim Büromaterial notwendig werden, daher war die Sammlung im Keller per se Gold wert. Bis so ein Stummel wirklich nicht mehr zwischen die Finger passt, vergehen noch ein paar Monate.

Zu schreiben ist ja eh nie so viel!

Ein zustimmender und befreiender Applaus ging durch den kleinen Sitzungssaal. Diese positive Kollegen-Reaktion beflügelte den guten Mann dann weiter und er war kaum noch zu bremsen.

Warum nur wurde mir, von Minute zu Minute immer übler am Tisch? 

Zusätzlich, zu den Bleistiften, meinte er euphorisch, könne man vielleicht auch Vorlagen in Schreibwarenläden (das Internet war 1997 noch nicht so ganz auf dem Vormarsch) von hübschen Weihnachtsmotiven wie Sterne, dickbäuchige Schneemänner oder Nikoläuse besorgen.

Und außerdem, sein Blick schwenkte zu mir rüber, hätte die Frau Hömberg doch in den nächsten drei Wochen eine wunderbare und kreative Aufgabe diese Vorlagen künstlerisch auf Herlitz-Zettelboxpapier zu bringen, auszumalen und sauber auszuschneiden.

Aufhängen könne man die neuen Kunstwerke doch mit Büroklammern, die in jedem Büro ausreichend vorrätig seien und das Budget sicherlich nicht weiter belasten. Zustimmendes Fingertrommeln war auf den Tischen zu sehen und zu hören…

Schneckschen, spätestens in diesem Moment wurde ich kreidebleich und verschluckte mich fast vor Schreck an meinem Mineralwasser. Ne, ne? Ich HASSE Bastelarbeiten!!! Jetzt nicht auch noch BASTELN fürs Amt. Dann lieber Akten abstauben…

Aber, ich war jung und brauchte den Job um mein weiteres berufliches Fortkommen nicht zu gefährden.

Aus diesem Grund war ich weiter zum Stummsein und stillem Leiden verdonnert. Ein etwas gequältes Lächeln huschte mir über das Gesicht. Während die Kollegen lustig weiter erzählten, bekam ich bereits nichts mehr mit. Ich malte mir in meinen Gedanken die schrecklichsten Bildern aus, wie ich im dunklen Kellerarchiv Weihnachtsmotivvorlagen auf Schmierpapier ausmalte.

Schrecklich. Das Schneckschen, konnte doch nichts Gutes werden…

Aber, die nächste Wahl, stand ja noch an und vielleicht hatte ich wieder so viel Glück wie beim letzten Mal. Am vierten und letzten Tag, nachdem noch weitere Ideen im Raum standen, auf die ich hier nicht näher eingehen möchte, ging es zur Wahlurne. Eine kleine Chance hatte ich gefühlt noch…

Kinners, was soll ich Euch erzählen? Sicher habt ihr damit gerechnet, dass ich auch bei dieser Wahl nochmal wahnsinniges Glück hatte, ne?

Mmmh, leider muss ich berichten, dass es Momente gibt, in denen man einfach die Arschkarte zieht. Zur falschen Zeit am falschen Ort eben. Machse nix. Einstimmig wurde sich für die Selfmade-Lösung durch die Praktikantin entschieden…

Damit war ich dann mal wohl krass im Eimer und zur Kellerarbeit gezwungen.

Was am Tag des Baumaufstellens dann tatsächlich für Dramen abgingen und wie die Kollegen – alle 53 übrigens – auf die Sauerländer Nordmanntanne und den selbstgefertigten Weihnachtsschmuck reagierten, erzähle ich Euch dann im vierten und letzten Teil meiner Behördenstory.

Eine noch Schneckschen, haltet durch, es ist bald vollbracht…….

…Fortsetzung folgt…

Eure Bine