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Tagchen Kinners. Heute mal nur einen Erlebnisbericht, Rezepte gibt’s bald wieder. Versprochen!

Gestern Abend in einem sehr gut besuchten Wirtshaus in Garmisch. Ein langer Tisch für geschätzt zwanzig Personen ist reserviert. Ralf und ich genießen an einem kleineren Tisch in der Nähe eine unfassbar leckere Ente mit Knödel und Rotkohl. Schweinefilet mit Spinatspätzle und zum Abschluss den göttlichsten Apfelstrudel mit Vanillesoße, den ich je kosten durfte, und harren der Dinge, die da kommen werden. Fotos anbei. Echte Vanillesoße mit Vanillestange, versteht sich…

Welches Wirtshaus? Leute, Ihr müsst, wenn Ihr mal in Garmisch-Partenkirchen seid, unbedingt in die Schranne. Bestes Essen ever, ever, ever!

Guckt Ihr hier: Zur Schranne

Aber das wollte ich Euch eigentlich gar nicht erzählen. Schwätzen wollte ich hauptsächlich über etwas völlig anderes.

Worüber?

Über die interessante Geschichte vom Big Boss und seinen Untertanen.

Sehr beeindruckend! Also, zurück zum reservierten Tisch im Gasthaus “Zur Schranne”. Pünktlich um 19 Uhr trudeln die Gäste ein. Eine sehr gemischte, auffällig internationale Truppe. Auf den ersten Blick würde ich sagen: Pakistani, Inder, Chinesen, Amerikaner, Schweizer, Österreicher, Deutsche, Japaner, Franzosen und Engländer. Vermute ich. Rein von der Optik und vom Slang her. Kann mich aber auch täuschen, könnten auch Russen und Isländer sein…

Bine, mit Blick auf die neuen Gäste: „Mmmh, wie die wohl zusammengehören würde mich echt mal interessieren.“ Ralf, wie selbstverständlich: „Ganz sicher eine international operierende Firma, die heute Abend zu einem Geschäftsessen zusammentrifft. Da verwette ich meinen Hintern drauf….“

Jo, kann sein. Das will ich dann mal fein beobachten. Mein Englisch ist zwar nicht das Beste, aber es reicht um festzustellen, dass es sich hier in der Tat um Firmenangehörige handelt. Sehr interessant, was es da so zu sehen und zu hören gibt. Nicht, dass Ralf und ich uns nichts mehr zu sagen hätten, aber es gibt Momente da überwiegt doch die Neugierde, oder? Außerdem, auch wenn das jetzt so aussieht, ich stalke nicht, Mädels, ich interessiere mich eben nur für Menschen, woll?

Die Kollegen sammeln sich am Tisch und nehme ihre Plätze ein.

Ein noch recht junger, schwarzer Mensch, setzt sich wie selbstverständlich direkt vor Kopf. Drahtiges Bürschchen und in feinstem Zwirn. Voll durchtrainiert. Jupp, datt is der Chef, der BIG BOSS, der mächtig große Käse. Eindeutig. Das sehe ich auf den allerersten Blick. Er spricht fließend Englisch und Französisch. Um meinen Eindruck bestätigt zu wissen, schaue ich mir die Gäste im Verlauf genauer an.

Alle, bis auf den Big Boss, sind recht locker drauf. Er ist so mehr der bedächtige Typ. Der Kontrollierte. Der nie-aus-sich-rausgehende-und-immer-die-Lage-im-Griff-Habende. Es gibt Weißbier, gezapftes Helles und Dunkles, aber auch Mineralwasser und Almdudler. Cheffe bestellt sich eine Apfelschorle. Sehr klug. Er will natürlich einen kühlen Kopf und die Übersicht behalten. Schon klar. Versteh ich. Nur nicht die Contenance verlieren. Geht ja gar nicht. Was sollen die Angestellten denken? Ein besoffener Chef? UNMÖGLICH!

Ralf sinnierend: „Jepp astrein, und morgen fliegen alles raus, die Alkohol getrunken haben!

Oh Mann, was für eine Autorität! Ich bin sichtlich beeindruckt. Wie er die Karte seziert. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so klug eine Speisekarte liest. Dann schaut er auf. Beobachtet genaustens seine Truppe. Er wirkt unglaublich gelassen. Einer von der Sorte, der in einer heftigen Ausnahmesituation immer und überall die totale Kontrolle behält. Cool, überlegen, immer die richtige Entscheidung treffend.

WOW, ich bin völlig geflasht.

SO und nicht anders muss ein Chef aussehen, dem man vertraut! Der hat echt alles. Eine natürliche Autorität, die Intelligenz steht ihm förmlich ins Gesicht geschrieben und er hat ein unfassbar gutes Benehmen. Was für eine charismatischer Typ. Es gibt nicht viel, was mich ins Schwärmen geraten lässt, aber dieser Knabe ist echt ne Bombe.

Kurz drauf kommt noch ein Nachzügler. Bestimmt Deutscher. Etwas längeres, fettiges Haar. So ein unrasierter, sehr ungepflegt wirkender Typ. Die Hemdsärmel bis zu den Ellenbogen hoch aufgekrempelt. Unübersehbar trägt er eine Tätowierung auf dem Unterarm mit dem Schriftzug „Freedom“. Ne Leute, der passt ja mal so gar nicht in diese illustre Gesellschaft.

Vielleicht hat er sich verlaufen? Kann ja sein.

Aber nein! Unbelievable. Der Knabe gehört offensichtlich dazu. Ganz sicher ein Programmierer. Jut, kann auch ein Marketingfuzzi sein. Die sind ja auch immer ein wenig daneben und leben in ihrer eigenen Welt. Auch optisch!

Mmmh, wie soll ich diesen Knaben jetzt beschreiben? Jepp, jetzt habbichs: Eric Clapton in hässlich. Habt Ihr ihn? Die älteren meiner Lesern werden jetzt ein genaues Bild vor Augen haben.

Jau, super. Der Typ geht schnurstracks auf The Big Boss zu. Der Chef sieht ihn und steht stante pede auf, um ihm seinen Platz vor Kopf zu überlassen.

Ne, ne? Ich glaubs jetzt nicht! DAS soll der Chef des Unternehmens sein?

Im Leben nicht!

Ich fürchte Kinners, er ist es doch!

Mönsch, watt habbich mich mal wieder vertan. Ich war so sicher, dass es genauso ist, wie ich mir das vorstelle. So wie dieser “Eric Clapton für Arme” sich in der Truppe verhält, ist es wirklich der Chef. Alle Augen sind auf ihn gerichtet. Er bestellt sich ein Weißbier und schwingt in englischer Sprache eine kleine Rede zum Einstieg in einen gemütlichen Abend. Kurz, prägnant, entschlossen. Cheers!

Mein Big Boss schaut erfürchtig zu ihm auf. Mist! Irgendwie sieht er gerade nicht mehr so cheflike aus. Eher wie ein Angestellter. Überhaupt nicht mehr wie ein Selbstständiger. So geduckt irgendwie, hängende Schultern, frustriert und jederzeit bereit Anweisungen entgegen zunehmen…

Puh. Ich lasse es jetzt wohl mal mir Gedanken über andere Leute zu machen. Meine Menschenkenntnis lässt echt zu wünschen übrig. Immer noch. Nach all den Jahren. Leider. Macht man nix. Die einen haben es, die anderen eben nicht…

Aber meine Phantasie ist doch grandios, sacht doch mal selbst, Schneckschen?

Eure Bine

Rezept? Gibt’s die Tage wieder! Heute hab ich nur ein bisserl lecker Essen und ein paar Impressionen aus Bayern. Nicht schlimm, oder?