Es gibt ja spezielle Zeiten im Leben MĂ€dels, da hat man echt witzige Ideen, ne? 😎

Vor vielen Jahren habe ich mir mal meine Tochter geschnappt und bin an einem Altweiber-Donnerstag spontan nach DĂŒsseldorf gefahren um mit ihr ein richtig schönes Karnevals-Wochenende zu verleben.

Dummerweise hatte ich, gerade weil es so eine fixe Idee war, keine Unterkunft gebucht. Und das ausgerechnet zu dieser besonderen Zeit in der Fastnachts-Hochburg am Rhein. Schon etwas irre, oder?

Erst auf dem Weg in die NRW Landeshauptstadt fiel mir siedendheiß ein, dass diese Aktion doch ganz schön gewagt sein könnte. Ach, manchmal muss man einfach Gottvertrauen haben, oder? Und siehe da, ich wurde nicht enttĂ€uscht. Direkt das allererste Hotel in DĂŒsseldorf-Flingern, welches in mein Sichtfeld kam, wurde angefahren.

Wow, das Hotel sah von außen schon etwas sehr nobel aus. Aber egal, Hauptsache eine Unterkunft. WĂ€hlerisch konnte ich an diesem Tag ganz sicher nicht sein. Außerdem verspĂŒrte ich ĂŒberhaupt keine Lust den ganzen Nachmittag mit der Suche nach einer Bleibe zu vertrödeln. Also, nix wie rein in die gute Stube und hoffen, dass noch ein Zimmer frei ist…

Die Hotelchefin war eine sehr angenehme und ungemein freundliche Frau. Wir beiden hatten sofort einen Draht zueinander. Hat man ja schon mal, wenn auf Anhieb die Nase passt, ne? Ach, ich mag diese Art von rheinischen Frohnaturen einfach. Liegt eindeutig an meiner fantastischen rheinlÀndischen Verwandtschaft. Macht man nix! Wo die Liebe eben hinfÀllt.

“Leider”, so teilte mir die Chefin mit, “sind wir immer schon lange vor Karneval bis unters Dach ausgebucht, Frau Hömberg…”
Oje, das klang jetzt nicht so vielversprechend. Ach manno, wo mir die Dame doch auf Anhieb so sympathisch war. “Aber”, so fuhr sie extrem bemĂŒht und freundlich weiter fort, „ich hĂ€tte da noch ein Doppelzimmer im Souterrain. Es ist wirklich nichts Besonderes, aber wenn Ihnen das gut genug ist, ĂŒberlasse ich es Ihnen sehr gerne fĂŒr das Wochenende mit Ihrer Tochter”.

Ohne auch nur eine Sekunde zu ĂŒberlegen nahm ich das Angebot an. In so einem noblen Etablissement spiel ich doch gern mal das Kellerkind, was? So schlimm konnte es ja hier wohl kaum werden. Und richtig, ein etwas einfacheres, aber durchaus gemĂŒtliches Zimmer erwartete uns. Anschließend noch ein kleiner Smalltalk mit der Hotelchefin und ab gings ins GetĂŒmmel. Es war herrlich und am frĂŒhen Abend lagen wir völlig geschafft in unseren Betten.

Am nĂ€chsten Tag nach dem supertollen FrĂŒhstĂŒcksbuffet hatte ich noch eine Frage an die ortskundige Chefin.

Sie steht also hinter dem Empfang und wir quatschen noch so schön miteinander als plötzlich die TĂŒr aufgeht und eine sehr aparte Mittdreißigerin mit einem Hut-UngetĂŒm auf dem Kopf durch die großrĂ€umige Hotellobby direkt an uns vorbei stolziert. Die Augen meiner Tochter werden immer grĂ¶ĂŸer. Meine ĂŒbrigens auch. Ein knapper Gruß und sie rauscht, wie eine Erscheinung, zum Lift. Die Hotelchefin grinst uns breit an. Offensichtlich kennt sie die Dame gut…

Oh Mann, WAS fĂŒr ein Auftritt! Ihr kennt doch bestimmt das Königliche Pferderennen im englischen Ascot, ne? Wir haben doch alle diese extravaganten Besucherinnen mit ihren verrĂŒckten HĂŒten im Kopf, ne? Genau diese Art von Dame fliegt gerade an uns vorbei. Quasi. Zu ihrem hundertprozentig von einem Schneider angefertigten fliederfarbenen KostĂŒm trĂ€gt sie eine Kopfbedeckung, die ernsthaft wie ein riesige mehrstöckige Hochzeitstorte aussieht.

Lila. Ihr letzter Versuch, isch schwör!

Im ersten Moment denke ich: “Oh, was fĂŒr eine ungewöhnliche Verkleidung fĂŒr Karneval!” Dann kommt mir natĂŒrlich direkt der Gedanke, dass diese Art von Frau ganz sicher nicht an einem Event mit lauter lĂ€rmenden, gröhlenden und in dunklen Kneipen DĂŒsseldorfer Alt trinkenden Menge oder an einem Karnevalsumzug der Jecken interessiert sein kann.

Ihr Lieben, aber was wir dann hinter der Grande Dame zu Gesicht bekommen, habe ich, wie Ihr jetzt lesen könnt, bis heute nicht vergessen. Es gibt Bilder, die bekommt man nie wieder aus dem Kopf, ne?

Hinter der Torten-Tussi taucht plötzlich ein doch recht stark transpirierender junger Mann auf. GeschĂ€tzt ebenfalls Mitte dreißig. Eigentlich ein richtig gut aussehender Mann. Wenn er durch ein paar Dinge nicht temporĂ€r etwas arg entstellt gewesen wĂ€re. Zuerst fallen mir die vielen Koffer und Reisetaschen, die der Arme schleppen muss, ins Auge. Gleich zwei Louis Vuitton Taschen geschultert, mit der linken Hand zieht er einen riesigen Rimowa Bossa Nova Rollenkoffer hinter sich her und in der rechten Hand eine etwas kleinere, aber sichtbar schwere, Tasche dieser Marke. Da mĂŒssen Backsteine drin sein. Oder Goldbarren. Eins von beiden ganz sicher. Die gebĂŒckte Haltung des Herrn ist nicht zu ĂŒbersehen.

Aber, das Beste kommt echt zum Schluss. Ich sehe in sein Gesicht. Dieser arme Mensch transportiert tatsÀchlich eine rote Rose ZWISCHEN seinen ZÀhnen!

MĂ€dels, noch nicht mal ihre eigene, von ihm hundertprozentig vorher geschenkte Rose nimmt sie ihm ab. Datt jibbet doch nicht!!! Also bei aller Liebe, den kann man doch echt nicht bringen, oder?

Ne Kinners, da muss ich doch wahrlich kein schlechtes Gewissen haben, wenn Ralf einmal im Jahr meine Koffer runterschleppt, oder?

So. Essen fassen. Heute gibts Pesto-Faltenbrot. Ich hatte noch ein paar in getrocknete Tomaten in Öl abgetropft zugefĂŒgt. Super saftig. Schmeckt extrem lecker und ist echt mal was anderes.

Eure Bine

Rezept: Pesto-Faltenbrot