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Helgoland – Eine Anreise mit Hindernissen, Teil 2

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Helgoland – Eine Anreise mit Hindernissen, Teil 2

Helgoland. Erster November 2017.

Dieses Mal bin ich spontan mit meiner Kollegin eine Woche in Büsum. Bettina war bisher weder in Büsum noch auf Helgoland und ich selbst bin natürlich etwas skeptisch, was die Insel anbetrifft. Aber, das wisst Ihr ja alle auch nun spätestens seit gestern, woll? 😉

Wir kommen an unserem zweiten Urlaubstag dummerweise direkt an diesem kleinen Kabuff vorbei, wo die Billets für die Überfahrt verkauft werden und gehen auch noch verrückterweise spontan rein. Keine Ahnung, warum ich das jetzt noch einmal gemacht habe.

Oder vielleicht doch?

Ach, wenn ich ganz ehrlich bin, will ich mich echt nur persönlich vergewissern, dass weder das Fahrgastschiff “Lady von Büsum” noch das Seebäderschiff “MS Funny Girl” um diese doch sehr späte Jahreszeit noch nach Helgoland cruisen.

Kinners, und ich war sooo sicher, dass DIE ganz bestimmt nicht mehr fahren….😬😬😬

Jau Leute, Flötepiepen! Ausgerechnet die Funny Girl fährt Allerheiligen natürlich auch auf die Insel…🙈

Und dann auch noch zum Supersonderschnäpperken-Sparpreis von nur dreißig Euro. Hin und zurück. Pro Nase.

So Mädels, und nun der absolute Clou bei der Sache: nix mit Passagiere kurz vor Helgoland in diese komischen Nussschalen rein und ab zum ausbooten, ne? Die Börteboote werden gerade winterfest gemacht und das Seebäderschiff fährt in den Südhafen und legt dort direkt an.

Ist das ein Zeichen oder ist das ein Zeichen? Jetzt kann ja nix mehr schiefgehen, oder doch?

Hammer! Besser gehts doch jetzt eigentlich nicht mehr, oder? Tja, und schon werde ich übermütig und vergesse glatt, was mir vor zwei Jahren dort schon mal blühte. Ja, manchmal kann Verdrängung schlimme Folgen haben.

Aber Helgoland ist doch sooooo toll.

Gut, an diesem Tag nicht so wirklich. Das Wetter spielt leider nicht mit. Es ist arschkalt und regnerisch und die See ziemlich rau. Ja nü, es gibt für uns kein schlechtes Wetter, es gibt eh nur unpassende Kleidung, woll?

Meine Kollegin und ich haben uns richtig schön muckelig warm angezogen und uns vorgenommen die komplette Überfahrt draußen zu bleiben.

Wohlweislich! 😑

Wir wissen beide von uns, dass wir gern schnell mal mit dem Magen bei regem Seegang nicht so gut zurecht sind, da brauchts keine Wärme sondern frische Seeluft und einen festen Blick auf den Horizont!

Da sind wir zwei beiden übrigens. 🤡

Bettina hat einen überaus praktischen Reitmantel angezogen. Ihr kennt bestimmt alle so ein Wahnsinnsteil, ne? Der Mantel ist unten so weit ausgestellt, den kann man sogar noch über dem empfindlichen Pferdepopo ausbreiten, wenn es mal kühl beim Ausritt wird, ne? Mega!

Tja, und jetzt ist ja keine wirkliche Sommerzeit mehr, sondern Allerheiligen. NOVEMBER, woll? Es wird uns schnell rattenkalt da draußen, der Wind ist gnadenlos und die Wellen peitschen an den Bug des Schiffes.

Wir brauchen beide dringend watt Warmes, erst einmal äußerlich.

Warum nur, muss ich in dem Augenblick, in dem Betti mir ihren Mantel über meine Knie wirft, an dieses uralte Kirchenlied denken?

Bettina, ähm Maria, breit den Mantel aus,
mach Schirm und Schild für uns daraus;
laß uns darunter sicher stehn,
bis alle Stürm vorübergehn.

Mmh, vermutlich weil es so geil passt!

Die erste Stunde der Überfahrt ist alles schön. Bine postet noch Fotos in ihrer Lieblings-Facebookgruppe und wundert sich, dass auf hoher See überhaupt noch Internetempfang ist. Wir sind schon eine gute Stunde (von zweieinhalb Stunden Gesamtfahrzeit) unterwegs und ich bin heilfroh, dass es uns beiden überraschend gut geht.

Nix mit seekrank oder so, woll? GENIAL! Genau so hab ich mir das vorgestellt.

Kein Wunder, dass es so gut läuft. Nirgendwo Menschenmassen weit und breit zu sehen. Wir sind mutterseelenallein da draußen auf unserer orangefarbenen Bank bei der klirrenden Kälte und lassen uns die steife Brise um die Öhrkes wehen. Der Rest der Weicheier sitzt drinnen im warmen Restaurant. 😬

Oder sind das alles überhaupt keine Weicheier sondern sind wir die Memmen hier? 

Geschätzt um diese Zeit wird mir langweilig und ich werde mutig. Ach, was erzähl ich da, ich werde etwas größenwahnsinnig und sage zu meiner Kollegin: “Du Betti, ich lauf jetzt mal ne Runde übers Schiff, willste was trinken, dann bring ich was mit!”

Betti sitzt klugerweise unbeweglich und völlig stocksteif an ein und derselben Stelle, bewegt sich weder vor noch zurück und sagt hocherfreut:

“Oh, das wäre toll, kannste mir einen schwarzen Tee mit Zucker mitbringen?”

Bine hilfsbereit: “Na klar, kein Problem!”

Ich laufe also eine Runde um das Schiff, schaue mir den Wellengang mal näher an und dann direkt von draußen ins Bord-Restaurant…

Huch, jetzt geht draußen aber gerade der Punk ab. 

Der Boden unter mir schwankt und ich muss mich auf dem Weg an einer Säule festhalten. Mir wird ein klitzekleines bisschen schwummrig, aber ich schaffe es noch locker bis zum Tresen und bestelle voll cool bei den beiden schnuckeligen, echt gutaussehenden Stewarts 😬 zweimal schwarzen Tee für uns.

Man sieht mir kaum an, dass ich ein doofer Touri bin, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. 😎

Mönsch Kinners, da werde ich mir doch wohl nicht die Blöße geben und blass werden, oder?

Alles reine Körperbeherrschung! Ich sach Euch datt! 😇

Bei meinem anschließenden Job die beiden Becher geschickt nach draußen zu bugsieren, bemerke ich noch ein paar respektvolle Blicke anderer Fahrgäste. Natürlich haben die mitbekommen, dass wir die einzigen Bekloppten sind, die bei der Überfahrt nur draußen sitzen.

“Jetzt nur nicht stolpern Bine, und geschmeidig die Tassen ausbalancieren überlege ich gerade, “so viele Zuschauer hat man ja doch eher selten bei einer solchen Aktion, was?” 😬

“Tja”, denke ich in diesem Moment dann weiter und ein wenig stolz bei mir, “ich war ja auch mal ein paar Jahre in den Anfängen meiner ersten beruflichen Tätigkeiten im Nebenjob Kellnerin, ne? Gelernt ist eben gelernt. Selbst wenn es mal unter den Füßen wackelt und ein bisserl unruhig wird, woll?”

Nicht zuletzt deswegen bringe ich dann noch meine ganze Konzentration auf und die beiden Tassen, ohne auch nur einen einzigen Tropfen zu verschütten, zu unserem windigen Platz Backbord.

Jawoll, geschafft, STRIKE! 🤗

Nach dem ersten Schluck habe ich bereits eine dunkle Vorahnung:

“Mmmh, schwarzer Tee ist ja nicht wirklich meiner. Oh ne! Wieso haste Dir den überhaupt geholt, Bineken?”

In Folge wird mir immer flauer in der Magengegend. Mit jedem Schluck ein bissken mehr. Am liebsten würde ich den dusseligen Tee im hohen Bogen direkt über die Reling kippen. 😡

Macht man aber auch nicht einfach so, woll? Man weiß ja, was sich gehört, ne? Jau super! Anständig geht die Welt zugrunde. Mir ist schlecht.

Um nicht zu sagen: kotzübel! 🤢🤢🤢

Aber bald sind wir ja da. Kann sich nur noch um eine halbe Stunde handeln. Ich setze mich wieder auf unsere Bank. Fast hätte ich Schlachtbank geschrieben. So fühlt es sich gerade an. 😬

Genauso stocksteif wie Bettina sitze ich jetzt da. Es geht mir leider dadurch auch nicht mehr besser und wird stattdessen immer noch schlimmer. Ich versuche an etwas Schönes zu denken. Es gelingt mir nicht.

“Denken Sie mal nicht an einen lila Elefanten!”

Jau, das ist auch so ein totaler undurchführbarer Mist und irgendwie das gleiche Problem.

Ihr kennt sowas, woll?

Endlich – Helgoländer Hafen in Sicht!

Das Anlegemanöver des Kapitäns ist im vollen Gange. Jetzt dreht sich der Kahn auch noch einmal um seine eigene Achse.

Bah nä, wie auf der Cranger Kirmes in diesem schrecklichen Happy Sailor. Ein voll ätzendes Fahrgeschäft bei dem sich zwanzig Segelschiffe vor- und rückwärts fahrend durch die Wellen steuern, in das ich NIE NIE NIE wieder reingehen werde.

Plötzlich bin ich ruhig. 😳

Wie Ihr ja mittlerweile fast alle wisst, ist dieses merkwürdige und völlig atypische Verhalten der Bine zu keiner Zeit ein gutes Omen. Betti gehts immer noch klasse. Mir von Sekunde zu Sekunde immer schlechter…

Mist, datt jibbet doch hier alles gar nicht. Wenn das so weiter geht, kann ich für nix mehr garantieren.

Für GAR NIX, Leute!

Endlich hat El Capitano sein Manöver beendet. Ehrlich gesagt, hatte ich schon den Eindruck, er wollte ein wenig angeben, wie schön er es hinkriegt, datt Schiffken sauber zu parken. 😐

Ähnlich wie dieser Kapitän Schettino damals, als er mit der Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio havarierte…🙄

Nach zweieinhalb Stunden legen wir wieder in Büsum an. Der Kapitän verabschiedet sich über Bord-Lautsprecher mit den Worten von seinen Gästen:

“Sehr verehrte Damen und Herren, die Crew verabschiedet sich nun von Ihnen und wünscht noch einen schönen Aufenthalt in Büsum. Wir hoffen, Sie fahren bald wieder mit der MS Funny Girl nach Helgoland.”

Sorry Capitano! Die Bine in diesem Leben jetzt nicht mehr. Nix für ungut, hat nix mit Ihnen persönlich zu tun, woll? Aber Helgoland und ich, wir zwei beiden sind wohl einfach nicht kompatibel!

Einen dritten Teil dieser Helgoland-Geschichte wird es definitiv nicht mehr geben!

Da bin ich seit heute sehr sehr sicher!

Adieu Helgoland, woll? 😘

Eure Bine

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