Bergbaumuseum

Nachdem wir uns den Bauch mit der leckeren Dönninghaus Currywurst vollgeschlagen hatten, ging es im Sauseschritt zum Bergbau-Museum.

Am Eingang erwartete uns schon mein guter Freund, nebst Bergmann-Kollegen Häbbert.

Wir stellten uns kurz gegenseitig vor und beim Blick auf Puffel und Paffel bekam Kumpel Häbbert sofort glänzende Augen.

“Ne, watt is datt schön, datt ich datt noch erleben darf,” meinte der Museumsführer gerührt, “zwei so kleine dänische Jäuster im Berchbau-Museum!”

😍😍😍

Und auch hier musste ich mal wieder in der Funktion eines Dolmetschers agieren als ich die fragenden Blicke von Puffel und Paffel sah.

“Jäuster”, so erklärte ich den beiden, seien im Pott nichts anderes als kleine Lausbuben. Und schon wieder hatten meine Wichtel regiolektmässig etwas dazugelernt, dabei waren wir noch nicht mal in den Räumlichkeiten des Museums angelangt.

Was für ein Tag! 🥳

Unser Museumsführer Häbbert, der eigentlich schon viele Jahre selbst in Rente war, aber immer noch ein paar Führungen unter Tage fachlich begleitete, lud uns freundlich ein.

Beinahe wie alte Kumpel behandelte er uns. Nix mit Berührungsängsten. Man war sofort warm mit dem freundlichen Mann. 🥰

Wir lernten in ihm an diesem Tag einen riesengroßen, etwas grobschlächtig wirkenden Mann kennen, mit einer Stimme so tief wie ein Baritonsänger und mit Händen so groß wie Bratpfannen.

Derart riesige Hände hatte auch ich noch nicht vorher gesehen. Wie überdimensional mussten sie erst auf Puffel und Paffel wirken?

😱😱😱

Zudem, wie es bei so gut wie allen alten und erfahrenen Bergleuten ist: Auch dieser Mann trug das Herz am rechten Fleck und erzählte uns das ein oder andere Döneken aus seinen vielen Erlebnissen unter Tage.

Zu Puffel und Paffel gewandt sagte er ganz lieb: “Kommt mal lecker bei mich bei, Ihr kleinen Döppkes!”

Meine beiden dänischen Besucher fassten interessanterweise sofort Vertrauen zu ihm und Häbbert öffnete seine Hände und ermutigte sie:

“Na los Ihr Bengels, frisch desinfiziert, springt ruhig rein, Ihr braucht keine Angst zu haben, ich pass gut auf Euch auf…”

Ganz ohne Furcht kamen Puffel und Paffel seiner Aufforderung nach.

Mit einem Satz sprangen sie begeistert in die großen Bergmannshände und Häbbert kugelte sich fast vor lauter Lachen bei soviel Putzigkeit.

Ach herrje, WAS für ein besonderes Abenteuer!

💃💃💃

Ich freute mich riesig, dass meine kleinen Wichtel auf diese eigenwillige Art und Weise die Welt des Bergbaus erleben durften.

Gemeinsam liefen wir ein paar Meter einen nachgebauten Stollen entlang und kamen am Ende, aus Sicht der kleinen Wichtel, zu einem gigantischen Förderkorb.

“Damit”, so berichtete der alte Bergmann, “wurden früher jeden Tach anne hundert Berchleute innen Schacht transportiert”.

Wow, das war wirklich beeindruckend! Wir hatten direkt das Bild der vielen Bergleute, dichtgedrängt im Förderkorb, vor Augen. 😯

Dann stiegen wir auch schon in einen Aufzug in der Nähe des Korbes und fuhren hinunter ins Anschauungsbergwerk.

Zwanzig Meter tief ging es nun unter die Erde. Das Bergwerk, so erfuhren wir von unserem Fachmann, war einem realen Berkwerk nachgebildet.

In echten Bergwerken, wie beispielsweise damals in der Zeche Constantin in Bochum und Herne, ging es noch viel tiefer in den Schacht.

An manchen Stellen sogar bis in eintausend Metern Tiefe!

😱😱😱

Na, das war ja mal richtig interessant, man hatte direkt eine Vorstellung wie es unter Tage damals ausgesehen haben musste.

Und wir wurden im weiteren Verlauf der Führung wahrlich nicht enttäuscht!

Auf dem Weg nach unten ruckelte der Aufzug etwas und Puffel und Paffel schauten, gut geschützt in Häbberts Händen, nun doch etwas ängstlich drein.

Der alte Bergmann, offensichtlich auch sehr empathisch, erzählte zur Ablenkung von seinen vier Enkelkindern:

“Oppa”, so bettelten die Kleinen immer, “erzähl ma watt vonne Kohle!”

⚒⚒⚒

Und Oppa/Museumsführer Häbbert erzählte, wie die Bergleute früher unter Tage Vögel mitnahmen und auf Stangen setzten.

“Und warum nahm man gerade Vögel mit in den Schacht?” fragte Puffel neugierig.

Seine Angst schien mittlerweile völlig verflogen zu sein, zu spannend waren Häbberts Ausführungen. 😅

Auch darauf wusste unser Fachmann natürlich eine plausible Antwort.

“Sie dienten als Frühwarnsystem sozusagen”, berichtete er uns lebendig. Die Frischluftversorgung der Bergleute in den engen, tiefen Stollen der Bergwerke stellte eine große Gefahrenquelle dar.

Nicht nur der Sauerstoff konnte knapp werden. Giftige Gase, im Bergmanns-Jargon “Böse Wetter” genannt, konnten, meistens geruchlos, das Leben der Bergleute bedrohen. Um diese Gefahr rechtzeitig zu erkennen, nahm man eben Vögel mit vor Ort.

Häbbert erläuterte uns weiter, dass im Blutkreislauf der Vögel der Sauerstoff genauso wie bei den Menschen transportiert wird. Ihre Lungen seien jedoch anders aufgebaut. 🧐

Während unsere Lungen immer ein Gemisch aus verbrauchter und frischer Luft enthalten, werden Vogel-Lungen laufend von Frischluft durchströmt.

Daher reagierten sie sehr schnell auf giftige Gase und fielen dann, schlimmstenfalls, von der Stange.

Das war dann ein deutliches Warnsignal für die Bergleute, den Stollen so schnell wie möglich zu verlassen.

😟😟😟

Der alte Bergmann erzählte auch von den Ehefrauen der Bergleute, die vor den Zechentoren auf ihre Männer warteten, um sich die Lohntüten geben zu lassen. Nicht, dass die Kumpels sonst den Zaster in der Kneipe versoffen hätten. 😅

Bei dem ein oder anderen soll das damals schon mal vorgekommen sein, meinte Häbbert augenzwinkernd. 🤪

Auch über die Angst der Bergmannsfrauen konnte er berichten. Wie froh sie waren, wenn ihre Männer nach der Schicht wieder gesund über Tage kamen.

Ja, sehr harte Zeiten seien das damals gewesen! Die Sorge um das eigene Leben und das der Kumpel ein ständiger Begleiter! 😏

Bergbaumuseum

Plötzlich hielt der Aufzug mit einem Ruck an und wir begannen unseren Rundgang im Anschauungs-Bergwerk.

Bis hierhin war es schon nicht wenig spannend gewesen, das merkte man meinen beiden Besuchern aus Dänemark richtig an. Mit großen Augen schauten sie umher und lauschten gebannt weiter den Worten des Museumsführers.

In der Tiefe war es ungewohnt dunkel und roch auch etwas muffig, aber Puffel und Paffel fühlten sich offensichtlich in Häbberts riesengroßen Händen pudelwohl.

Immer wieder löcherten sie ihn mit vielen Fragen und der alte Bergmann beantworte jede so ausführlich, wie es ihm nur möglich war. 🥰

Häbbert erzählte vom großen Zusammenhalt unter Tage.

“Dunkel, heiß und dreckig – aber auch frei, gerecht und kameradschaftlich”, sei damals die anstrengende Arbeit gewesen. Sechs Tage in der Woche, sechs bis acht Stunden am Tag Lärm und Kohlenstaub.

Ein täglicher Kampf in tausend Metern Tiefe.

Und die Kumpel hielten zusammen wie Pech und Schwefel!

Meine beiden Besucherwichtel schienen von Minute zu Minute immer nachdenklicher zu werden. 🤔

Wir gingen weiter und kamen an einer riesigen Halle vor dem Förderschacht an. Das war also die “Kaue”. Unter der Decke sah man unzählige Haken befestigt.

“Die Frühschicht”, so erzählte unser Bergmann, “fing imma morgens um sechs an!”

Die Bergleute, so seine weiteren Ausführungen, hängten ihre Alltagskleidung – Hosen, Wäsche, Hemden und Schuhe – in der Weißkaue an diese Haken, die wiederum an einer Kette unter die Hallendecke gezogen wurde. Nur dort war die Kleidung sicher vor dem schmierigen Kohlenstaub.

Nackt, und nur mit Schlappen bekleidet, ging es dann weiter in die Schwarzkaue. Hier zogen sie ihre weißen Bergmannshosen und Jacken aus dickem Leinen über, dazu einen Helm und eine Grubenlampe. Ausgerüstet für die schwarze Tiefe liefen sie zum Schacht.

Ein harter Arbeitsalltag konnte beginnen.

“Wow, was für ein anstrengender Job”, dachte ich bei mir. Und meine beiden dänischen Wichtel schienen das gleiche zu denken. Ich konnte es an ihren großen, staunenden Augen ablesen. 😎

In den nächsten zwei Stunden ging es vorbei an den verschiedensten imposanten Maschinen, die im Steinkohlebergbau genutzt wurden. Der absolute Wahnsinn, wie weit damals die Technik schon gewesen ist.

Bergbaumuseum

Und dann berichtete Häbbert uns noch über die kleinen Grubenponys.

🐴🐴🐴

Alles begann Anfang des 19. Jahrhundert mit der Industriealisierung und dem damit einhergehenden Produktionsboom.

Parallel dazu, so der Fachmann, stieg die Bevölkerungszahl ständig. Selbst Frauen und Kinder wurden bis Mitte dieses Jahrhunderts ebenfalls in den körperlich sehr anstrengenden Berufen eingesetzt. Das wurde dann zum Glück aber verboten.

Preiswerte, alternative Möglichkeiten mussten entsprechend geschaffen werden.

“Wurden dann die Ponys statt der Frauen und Kinder eingesetzt, Häbbert?” fragte Puffel gebannt. 😱

“Richtig”, meinte unser Museumsführer, “da hast Du gut mitgedacht, Puffel!”

Er berichtete in Folge, dass besonders der Steinkohleabbau zu dieser Zeit in der Blütezeit stand und eine hohe Anzahl von billigen, leistungsstarken Arbeitskräften benötigt wurde.

So war es kaum verwunderlich, dass das Pferd, besonders die kleinen Arten wie Münsterländer, Fjordpferde, Belgier, kleine Oldenburger, Dänen, Shetlandponys und Litauer, schnell ins Blickfeld gerieten.

Kräftige und gutmütige Tiere mit ruhigen Temperament, mussten es sein. Hatte sich das Pferdchen doch seit Jahrtausenden als zuverlässiger und starker Partner des Menschen erwiesen, fähig, sich auch den härtesten Bedingungen anzupassen.

Außerdem, und das war ein entscheidender Vorteil, konnte ein Pferd acht bis zehn mal mehr Loren ziehen als ein normaler Arbeiter. Tja, das Leben “unter Tage” war also auch für die Tiere kein Zuckerschlecken. 😟

Ich sah wie Puffel und Paffel sehr betroffen waren und sogar ein dickes Tränchen verdrückten. Auch Häbbert bemerkte das und reagierte umgehend mit dem letzten Teil seiner Ausführungen.

“Abba”, so sinnierte Häbbert weiter, “irgendwann war ja auch datt Geschichte”.

Mit dem Ende der Grubenära konnte dann auch endlich auf die Arbeit der Grubenpferde verzichtet werden.

Es entstanden vielerorts Gedenktafeln und Anekdoten wurden erzählt über die kleinen und großen Marotten von Elly, Alex, Fred oder wie sie alle hießen.

Die kleinen Grubenpferdchen lieferten sogar Stoff für ganze Spielfilme. Ein toller Kinderfilm aud dem Jahr 1976 „Die kleinen Pferdediebe“, spielte in England um die Jahrhundertwende.

In diesem Film kämpfen drei Kinder mit großer Leidenschaft für die Rettung von Grubenponys. 😍

Tja, und mit diesem kleinen Vortrag über die Grubenponys endete auch unser Rundgang. Und schon war die wunderbare private Führung durch das Deutsche Bergbau-Museum Bochum vorbei.

Wie schade, die Zeit verging wirklich wie im Flug.

Wir fuhren wieder mit dem Aufzug nach oben. Vom hellen Licht geblendet stiegen wir aus und bedankten uns bei Häbbert für diese wundervolle Führung mit vielen bewegenden Eindrücken. 🥰

Puffel und Paffel waren noch am Abend voller Emotionen und bei einer Tasse Tee ließen wir diesen besonderen Tag ausklingen.

“Und nächste Woche, meine lieben Wichtel”, beschloss ich den Abend, “laufen wir hoch zum Starlight Express.

Meine privaten Beziehungen zu dieser sehr bekannten Bochumer Attraktion reichen leider nicht aus, um hinein zu kommen.

Aber – egal – wir werden das “rasanteste Musical des Universums” dann eben nur von außen bestaunen dürfen.

Vermutlich!

Wenn nicht doch noch ein Wunder geschieht…

🙃🙃🙃

“Aber selbst, wenn wir nur draußen gucken können”, versuchte ich die Fantasie von Puffel und Pafffel schon ein wenig anzuregen, “könnte ich Euch etwas über den kleinen Jungen erzählen, der in der Nacht heimlich mit seiner Eisenbahn spielt…”.

Und auch über sein Kinderzimmer könnte ich berichten, was sich nachts in einen schimmernden Bahnhof verwandelt und in dem Züge aus aller Herren Länder eintreffen.

Zu nur einem Zweck: Der Weltmeisterschaft der Züge!

Wer wird wohl das Rennen am Ende gewinnen? Dampf, Diesel oder Elektrizität? Here ist control, tonight ist race night….

🚂🚂🚂

Oder passiert womöglich doch noch etwas völlig anderes???

😱😱😱

Wir werden es erfahren, liebe Leser…

Fortsetzung folgt…

Euch allen einen schönen 4. Advent! 🎄

Tüskes, Eure Bine