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An diesem Pfingstwochenende, meine lieben Leser, möchte ich Euch gerne mit auf eine kleine Reise in die Vergangenheit nehmen.

Und schwupps…zurück ins Jahr 1953. 😅

Neben der Tatsache, dass in diesem Jahr Elisabeth II. in England gekrönt wurde und Edmund Hillary, gemeinsam mit Tenzing Norgay den Mount Everest bestieg, gab es noch etwas ganz ähnlich herausragendes, was unbedingt in Bines Thermi-Welt Erwähnung finden muss. 🙈

Ich denke da gerade an einen Mann, der in Folge, zumindest die deutschen Küchen, teilweise revolutionieren sollte.

Genauer gesagt ab 20. Februar 1953, das Fernsehen war gerade einmal jungfräuliche acht Wochen am Start, flimmerte ein etwas fülliger Lebemann mit schmalem Oberlippenbart á la Clark Gable, plötzlich und ohne Vorwarnung, über die Mattscheiben der deutschen Wohnzimmer.

Vom Winde hingeweht.

Sozusagen. 🙈

Bis zu diesem Zeitpunkt, Ihr Lieben, blickte der damals 47-jährige Beau auf eine bis dahin nur mäßig erfolgreiche Schauspielervergangenheit zurück. Sein musikalischer Durchbruch als Pianist blieb ebenfalls aus.

Aber, es drängte den begnadeten Selbstdarsteller unaufhaltsam vor sein Publikum und so nahm das Drama dann wohl unbarmherzig seinen Lauf. So las ich jedenfalls. 😬

Die älteren Semester unter uns werden den bekannten Namen jetzt sicher schon auf der Zunge haben, oder?

Na, klingelts schon in den Öhrkes? Ja, genau diesen Herrn meine ich!

Der Erfinder des Toast Hawaii und des Arabischen Reiterfleisches. Wobei es sich bei Letzterem wohl auch nur um eine stinknormale Frikadelle handelte. 😅

Aber nü, Kleider machen Leute und die Kunst, aus extrem einfachen Gerichten, unter Zuhilfenahme ausgedachter exotischer Titel aus Tausendundeiner Nacht, Begeisterungsstürme bei den vorwiegend weiblichen Zuschauerinnen hervorzurufen, das war dann wohl sein Alleinstellungsmerkmal Anfang der 50iger Jahre.

Die Damenwelt hing förmlich an seinen Lippen und, dank seiner Schleichwerbung für vielerlei Lebensmittel oder Haushaltsgeräte, waren diese, nach jeder seiner Sendungen, im Nullkommanix ausverkauft.

Wenn man es so sieht, Ihr Lieben, war dieser ansehnliche Schauspieler auch der allererste Influencer, der seine Ramschware sehr geschickt, gut verpackt und voller Begeisterung an die Frau brachte.

Hemmungsloses Product Placement nennt man das wohl heutzutage, gell?

😬🤣🤣🤣

Deutschlands allererster Fernsehkoch ward also televisionstechnisch in die noch karge Medienlandschaft geschmissen und um die Hausfrauen der Nachkriegszeit war es sofort geschehen. Nicht zuletzt wegen seines attraktiven Erscheinungsbildes, wenn Ihr versteht, was ich meine, Mädels.

Gut, mein Geschmack wäre er jetzt gerade nicht gewesen, einfach zu gelackt, der Knabe…😬

Sein Name? Ja gut, ich hau ihn endlich raus!

🤣🤣🤣

Carl Clemens Hahn. Alias Clemens Wilmenrod.

Der ambitionierte Hobbykoch zelebrierte den Venezianischen Weihnachtschmaus (ein paniertes Schnitzel) wie kein anderer und die damals, ich nehme an noch recht wenig verwöhnte deutsche Hausfrau, schien vor Entzückung aufzuschreien, wenn er in seiner Showküche herumwirbelte wie Rhett Butler seine Scarlett O’Hara beim Tanz.

Ja so, oder so ähnlich, muss es gewesen sein, anders kann ich mir seinen unglaublichen Erfolg im Nachhinein einfach nicht erklären. 🙈

Der Meisterkoch soll, so erfuhr ich amüsiert, zu seiner Zeit von der Profi-Zunft der Köche nicht wirklich anerkannt gewesen zu sein. Mensch Kinners, und dabei hatte der Mann noch nicht mal einen Thermomix…

😬🤣🤣🤣

Aber davon, Ihr Lieben, berichte ich gerne morgen weiter, so Ihr noch Lust habt…

Jetzt erst einmal zur ersten meiner drei Wilmenrod-Rezeptideen:

Ich stieß vor einiger Zeit in der norddeutschen Mediathek auf Filmmaterial eines Drei-Gänge-Menüs, welches der Fernsehkoch in seiner Sendung “Bitte in 10 Minuten zu Tisch” mit wortgewandter Stimme und theaterreifem physischen Einsatz präsentierte.

Im Nu war es auch um mich geschehen und dem inneren Zwang, alles nachzukochen, musste ich mich leider hingeben. Die einzelnen Komponenten waren aber auch wirklich zu witzig. 🥳

Ich habe mir nun die Mühe gemacht drei seiner “Werke”, fast siebzig Jahre später, in Bochum zu rekonstruieren.

Wer von Euch also interessiert an einem, ich gebe zu, sehr rudimentär anmutenden Mehrgänge-Menü ist, welches in einer einstündigen Mittagspause stressfrei zubereitet werden kann, der verfolge nun auch meine nächsten beiden Beiträge, Sonntag und Montag, mit steigender Spannung. 🥳

Ich bitte Euch nur inständig an dieser Stelle Eure Ansprüche doch ein wenig runterzuschrauben.

Sehen wir es dem gebürtigen Westerwälder nach, dass alles noch von Hand und ohne jedwede Hilfsmittel, wie beispielsweise teure Küchenmaschinen, zubereitet werden musste. 🤪

Solltet Ihr nun bei der sukzessiven Vorstellung seines Menüs mittlere bis große Lachanfälle bekommen – nur zu, das ist mir auch passiert!

😆😆😆

Heute:

Erster Gang “Pochierte Eier auf Toast”

Man nehme…

4 Scheiben Toastbrot
Stich Butter
4 frische Eier
1,5 Liter Wasser
3 EL Essig Essenz
4 Scheiben Salami
Salz, Pfeffer
etwas Ketchup

1. Wasser mit Essig in einem Topf zum Kochen bringen. Der zugegebene Essig begünstigt die Gerinnung des Eiklars.

2. In der Zwischenzeit die Butter in eine Pfanne heiß werden lassen. Sobald das Fett heiß ist, die vier Toasts in der Pfanne, bei mittlerer Hitze, von beiden Seiten rösten.

3. Wenn das Wasser etwas sprudelt, die Eier einzeln in einer Tasse aufschlagen. Mit einem großen Löffel im Uhrzeigersinn einen schwungvollen Kreis ins Wasser ziehen, so nutzen wir perfekt die Zentrifugalkraft (F). Physik, woll? 😉

Nun die Eier zügig aus der Tasse in den kleinen Strudel geben und etwa 3 – 4 Minuten in dem leicht siedenden Wasser ziehen lassen.

4. Jetzt geht’s schon ans anrichten. Die Toasts auf den Tellern drapieren, eine Scheibe Salami obenauf. Mit einer Schaumkelle die pochierten Eier vorsichtig aus dem Topf fischen und auf die Toasts legen.

5. Final mit Salz, Pfeffer und einem Hauch Ketchup benetzen und sofort servieren.

Guten Appetit und bis morgen dann, mit dem zweiten “Gang”…🥳

Tüskes, Eure Bine