Helens Bircher Müsli

Schneckschen. Jetzt wirds ernst. Verdammt ernst. Für mich!

Ich werde Euch heute gedanklich schon einmal auf ein Ereignis in Bines Thermi-Welt einstimmen, welches morgen in diesen heiligen Hallen stattfinden wird!

Hierfür musste ich noch einmal einen alten Beitrag aus den schier unendlichen Tiefen der Thermi-Welt herauskramen.

Damit es aber auch für meine alten Hasen nicht langweilig wird, habe ich dazu ein neues Rezept getestet. Helens Bircher Müsli. Oder, wie es neudeutsch heißt, ein Overnight Oat mit Früchten zum Frühstück. Wirklich richtig klasse bei diesen Temperaturen. So fängt der Tag schon mal prima an.

So Mädels, zum Einstimmungstext auf den morgigen Tag:

Wer von Euch hat denn hier eigentlich Entertainer-Qualitäten oder diese künstlerische Fähigkeit zumindest mal bei sich ausgetestet?

Mönsch, dazu muss ich Euch unbedingt eine Story aus meiner Vergangenheit erzählen. Sie liegt gefühlte Lichtjahre zurück, ist aber erstaunlicherweise gerade eben wieder vor meinem geistigen Auge so präsent, als sei es erst gestern gewesen. Tja, so ist das wohl manchmal mit den einschneidenden und richtungsweisenden Erlebnissen im Leben, ne?

Also. Es war einmal vor langer Zeit. Ich war ungefähr dreizehn Jahre alt und schon damals, ich mag es mal so formulieren, ein recht lebensluschtiger Vogel.

In unserer kleinen Dorfgemeinschaft sollte an diesem nasskalten und grauen Novembertag erstmalig eine Tanzgruppe während der alljährlichen Prinzenproklamation auftreten und ich war bei diesem denkwürdigen Ereignis natürlich live mit dabei.

Als eine der Protagonistinnen hatte ich Karnevals-Tanzpremiere sozusagen. Mein allererster öffentlicher Auftritt vor geschätzt dreihundert bierlaunigen und erwartungsvoll gröhlenden sauerländischen Dorfbewohnern. Die Chance, egal wie es läuft, ausgebuht zu werden war somit verschwindend gering. Alles bekannte Pappnasen und Leute die einem sicherlich nicht bewusst ein negatives Lebenstrauma bescheren wollten. Äußerst beruhigend, fand ich, für eine Premiere.

Wir probten also wie die Verrückten schon Monate vorher unsere Garde- und Showtänze ein. Die Showtanz-Einlage fand nach der Musik der Chordettes “Lollipop” statt. Einer US-amerikanischen A-cappella-Girlgroup, die Ende der 50er Jahre recht erfolgreich war. Die Älteren unter uns, erinnern sich sicher noch an diesen Song, gell?

Seit diesem Auftritt kann ich übrigens meinen rechten Zeigefinger in die linke Wange stecken, leicht krümmen, und mit einem ganz bestimmten und recht geübten Schwung wieder aus dem Mund hinausgleiten lassen, sodass es im Anschluss ganz laut ploppt. Könnt Ihr Euch jetzt vorstellen, oder?

So diese Fähigkeit noch allgemein gewünscht wird und die Situation sich ergibt, gebe ich sie auch heute noch gerne mal zum Besten und habe damit die Lacher meistens auf meiner Seite.

Ach Schneckschen, es is doch nix umsonst im Leben. Egal wie behämmert es auch sein mag, was man so lernt. Und wenn es nur zur Erheiterung der Menschen taugt, woll?

Soderle, weiter im Text. Da ich von klein auf immer schon recht extrovertiert daher kam, dachten sich meine Tanz-Kolleginnen alsdann, ich wäre doch auch locker in der Lage am Ende unsereres Auftritts einen großen Blumenstrauß, verbunden mit ein paar warmen und dankenden Worten an unsere Choreografin, zu überreichen.

Jo, erst viel später wurde mir klar, dass sich meine Mitstreiterinnen vor diesem unangenehmen Job nur drücken wollten und eigentlich nur schnell eine Doofe gefunden werden musste.

Aber, ich muss zugeben, ich fühlte mich damals schwer geehrt, dass ausgerechnet mir so eine große Aufgabe zugetraut wurde. Das wollte ich doch mitnichten versemmeln, ne?

Jo Kinners, mit der großen Klappe ist das ja mal so eine Sache. Kann man haben, ist auch für einige Momente von Vorteil, jedoch sollte man keinesfalls das Lampenfieber unterschätzen, welches ich an diesem Karnevalsabend erstmalig zu spüren bekommen sollte.

Aber, ich war ja perfekt vorbereitet. Was sollte denn schon großartig passieren? Wovor sollte ich Angst haben? Wenn andere dir sowas zutrauen, warum sollte man dann an sich selbst zweifeln?

Ich hatte mir also eine kleine, wirklich sehr witzige Rede selbst ausgedacht, aufgeschrieben und den ganzen Nachmittag auswändig gelernt. Die saß am Abend wie ‘ne Eins. Dieser Auftritt, so war zumindest die theoretische Strategie, sollte DER Startschuss in meine Alleinunterhalter-Karriere werden. Das stand fest und war für mich so klar wie Opa Adolfs Kloßbrühe. Selbstbewusst wie ich in diesem Augenblick war…

Wunderbar, nun konnte ja nix mehr schief gehen, oder doch?

Die Tänze liefen, ja, ich mag es einfach mal so schreiben, schon recht semiprofessionell ab. Alle Mädels waren, mehr oder weniger, synchron. Wunderbar. Der Radschlag beziehungsweise *Klugscheissmodus an* Handstützüberschlag seitwärts *Klugscheissmodus aus* einiger Tänzerinnen lief so perfekt, dass sie noch nicht einmal auf ihrem Po landeten. Wahnsinn, oder?

Die Begeisterungstürme unseres heimischen Publikums, meine Lieben, waren nicht von dieser Welt. Glaubt mir. Sie hatten zum allerersten Mal Tänzerinnen auf ihrer Karnevalsbühne, und dann noch aus ihren eigenen Reihen. Hammer. Ich fühlte mich jedenfalls ab dem Moment des ersten rauschenden Beifalls wie ein echter Bühnenstar. Getragen von der Gunst des enthusiastischen Publikums. Völlig irre, dieses Gefühl!

Meinen Tanzkolleginnen ging es genauso. Wir waren alle megastolz als wir anschließend vom Elferrat, der aus dem hinteren Bereich der Bühne unsere Show beobachten konnte, über die Maßen gelobt wurden. Hach, datt ging ja mal runter wie Öl. Hatte sich unser monatelanges Engagement doch tatsächlich am Ende bezahlt gemacht. Ein unfassbar geniales und erhebendes Gefühl.

Völlig berauscht von diesem gigantischen Erfolgserlebnis hätte ich dann fast vergessen, dass mir ja doch noch eine besondere Aufgabe zuteil wurde.

Irgendjemand drückte mir, just in diesem Augenblick, den dicken Blumenstrauß für die Choreografin und ein Mikrofon in die Hand. Unsere Tanz-Lehrerin stand breit grinsend und erwartungsvoll vor mir und ich wollte gerade ansetzen und meine Rede schwungvoll und schauspielerisch gekonnt in Szene bringen. Datt komplette Publikum starrte gebannt ind sehr aufmerksam auf datt Bineken…

Was dann passierte, wollt Ihr jetzt wissen? Okay, aber erzählt es ja keinem weiter…

Ich stand dort, auf dieser für mich riesigen Bühne plötzlich irgendwie einsam und verlassen. Riss meine Hand mit dem wundervollen Strauß Blumen ungelenk nach vorne und brachte nur ein einziges Wort über meine Lippen: “Bitte!”

Das wars. Mehr war nicht drin. Den Rest des Textes hatte ich vor lauter Aufregung vergessen. Und somit war meine persönliche Traum-Karriere als Entertainerin und Publikumsliebling an diesem Tag, kaum wirklich begonnen, schon abrupt beendet.

Mit einem hochroten Köppken verließ ich die Bretter, die für andere die Welt bedeuten. Ich habe es nie wieder versucht. Ne, watt war datt für eine fürchterliche Pleite, da steigt mir allein beim Erzählen schon wieder die Schamesröte ins Gesicht…

Aber egal, hab ich danach gedacht. Dann such ich mir eben einen anderen aufregenden und abenteuerlichen Beruf.

Pah, dann geh ich eben ins Büro!

Jo, das hab ich dann auch gemacht. Das ist Geschichte. Aber die Zukunft hält ja immer wieder Überraschungen bereit, woll?

Morgen zum Beispiel. Schaltet rein. In diesen Kanal. Es gibts watt Neues. Einen kleinen Versuchsballon zum Thema “Trau Dich was, sich was trauen macht so viel Spaß!” Und ich bin sehr gespannt darauf, wie er bei Euch ankommen wird…

Nun, ein Zurück gibt’s jetzt eh nicht mehr, bis morgen Schneckschen, hier in diesem Kino, woll?

Aber lasst Euch vorher dieses lecker Bircher Müsli mal fein schmecken…

Eure Bine

Rezept: Helens Bircher Müsli